Ich bin keiner, trotzdem möchte ich mich hier einmischen. Mir fehlen sie alle, diese Fähigkeiten der Uhrmacher und Konditoren. Ich wiege und messe ungern, halte mich nicht an Vorschriften und bringe es nicht fertig, zweimal hintereinander ein genau gleiches Gericht zu kochen. Das als Warnung, bevor ich unser kulinarisches Sommer-Festival mit dem unvermeidlichen Dessertkapitel beschließe.

Was die wahren Zuckerkünstler produzieren, sieht man nur in Gourmet-Restaurants und in speziellen Kochbüchern. Und das ist entmutigend. Etwa "Schokoladenmousse-Törtchen mit karamelisierten Walnüssen und Kümmeleis". Dazu serviert Michel Roux, einer der bekanntesten Patissiers überhaupt, eine Honigsauce mit Limonenschalen und verziert die Pracht mit gesponnenem Zucker. Dagegen erscheinen seine Obsttorteletts mit warmem Sabayon schon fast wie Hausmannskost, obwohl sie abschließend gratiniert werden. Wollen wir sie mal versuchen?

Für die Torteletts den Teig fertig kaufen, entweder Mürbe- oder "schnellen Blätterteig". 2 mm dünn ausrollen. Nun brauchen wir 6 Tortelettformen mit 12 cm Durchmesser und entsprechend große Ausstechformen. Damit werden aus dem Teig runde Scheiben ausgestochen, mit denen die Tortelettformen tapeziert und ausgelegt werden. In den Kühlschrank mit den Formen (Bier so lange nach draußen!) und den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Nun die Teigböden mit einer Gabel mehrfach einstechen und mit Backpapier bedecken. Darauf getrocknete Bohnen füllen und 10 Minuten im Ofen "blind backen". Sodann Bohnen und Papier entfernen und die Böden noch einmal eine Minute in den Ofen schieben. Dann endlich herausnehmen, aus der Form lösen und auf einem Gitterrost abkühlen lassen.

An diesem Punkt des Schöpfungsprozesses würde ich normalerweise das Handtuch werfen und eine Flasche Beerenauslese aus dem Keller holen, die, zusammen mit Spekulatius, in meinen Kreisen als vollwertiges Dessert akzeptiert wird.

Aber den Backhexen läuft längst das Wasser im Mund zusammen, deshalb geht's weiter: 720 g verschiedene Früchte (Banane, Blaubeeren, Himbeeren, Papaya, Johannisbeeren, Brombeeren ...) waschen, putzen, in Stücke schneiden. Warm stellen. Nun ein Sabayon mit Kirschwasser herstellen aus 3 Eigelb, 65 g Zucker, 75 ml Himbeerschnaps und 50 ml Wasser: alles zusammen im Wasserbad 12 Minuten schlagen, wobei die Temperatur keinesfalls über 90 Grad ansteigen darf. Vorbereitet haben wir eine Gewürzmischung, bestehend aus Fenchelsamen, Gewürznelke, Sternanis, Piment und Zimt, alles fein gemahlen. Die Früchte in die Torteletts füllen, zwei Drittel des warmen Sabayon darübergießen, mit der Gewürzmischung bestäuben und flugs unter den sehr heißen Grill schieben. Und sofort wieder herausziehen, denn unser Sabbersöhnchen soll nur ganz leicht glasiert werden. Auf Portionstellern anrichten und mit dem restlichen Sabayon dekorativ umgießen. Obendrauf legen wir drei kleine Walderdbeeren und zwei Blättchen Minze. Und wenn es nicht gerät, beschweren Sie sich bitte bei Michel Roux!

Ich vermute, dass viele Leser zu Hause eine Eismaschine haben. Ich kenne den Apparat nicht, kann mir aber vorstellen, dass ein selbst gemachtes Eis zu den ganz großen Delikatessen gehört. Die Aufzählung der Grundmassen nähme mehr Platz in Anspruch, als wir im ganzen Leben zur Verfügung haben. Aber wenigstens folgende Pampe, die ich mir soeben zusammengerührt habe, soll nicht unerwähnt bleiben:

1 sehr reife Banane mit der Gabel zerdrücken und mit 1 EL Crème fraîche, 1 TL Honig und ½ TL grober Orangenmarmelade vermengen. Den Saft ½ Zitrone unterrühren sowie 1 flachen EL sehr fein gehackte Ingwerwurzel. Das reicht gerade für 2 Personen. Ich habe die Masse in eine Schüssel getan und ins Eisfach gestellt. Mehrmals umgerührt, und dann war's ganz wunderbar. Perfektionisten würden die Masse wahrscheinlich im Mixer fein pürieren. Doch ich mag es lieber, wenn das Eis nicht gleichmäßig glatt ist. Deshalb würde ich beim nächsten Mal eingeweichte Rosinen untermischen. Eingeweicht in was auch immer, solange es Alkohol hat. Oder sehr klein gehackte Bitterschokolade, die sich gut mit Minzblättern verträgt.