WOWEREIT:
Ich denke, wenn man Politik betreibt, dann muss man auch Macht ausüben wollen, sonst kann man das nicht tun. Weil natürlich Politik darin besteht, dass man mit Macht etwas umsetzt, und wenn man das nicht will, dann sollte man es sein lassen.


Es gibt also einen positiven Machtbegriff für Sie. Es gibt dann aber natürlich auch die Kehrseite davon - ‚Macht negativ’. Wo ist Macht für Sie negativ?


Das ist dann das Pendant ‚Macht missbrauchen’ und ‚Machtmissbrauch’. Das hat es in unserer deutschen Geschichte natürlich gegeben. Dazu muss es Kontroll-Mechanismen geben. Dazu haben wir die Presse beispielsweise; dazu haben wir Instanzen wie den Rechnungshof, und wir haben Parlamente, die kontrollieren.


Man muss ja nicht gleich tief in die deutsche Geschichte einsteigen; es hat auch hier, ganz aktuell, eine Diskussion gegeben über Ihren Umgang mit der Macht. Die einen sagen: er macht das sehr professionell; die anderen sagen: er macht das kühl bis ans Herz. Die CDU hat Ihnen vorgeworfen, bei der Aufkündigung der Großen Koalition in Berlin Verrat geübt zu haben, Wortbruch begangen zu haben. Wie nehmen Sie dazu Stellung?


Wir haben eine Verfassung, und in der Verfassung heißt es, dass eine Regierung sich auch verändern kann. Das heißt, wenn im Parlament ein Regierungschef abgewählt wird, dann hat das Parlament die Chance, innerhalb einer bestimmten Frist einen neuen Regierenden Bürgermeister zu wählen und das hat das Parlament getan. Das kann nicht unter Missbrauch definiert werden. Und Wortbruch - das lasse ich überhaupt nicht gelten! Das ist so eine Formulierung von meinem Gegenkandidaten, der da ein Vieraugen-Gespräch in seiner Art und Weise interpretiert. Da könnte ich viel dazu sagen, aber auf dieses Niveau möchte ich mich gar nicht erst begeben!


Die Interpretation kommt ja daher, dass gesagt wurde: kurz bevor es hier in Berlin zum Bruch der Großen Koalition kam, wurde noch immer heftigst versichert - mit tatsächlichem oder sprichwörtlichem Schulterklopfen – ‚hey, wir tun alles, um diese Große Koalition zu retten!’


Ja, das sagt Herr Steffel so - damit man ihn auch einmal beim Namen nennt, ich nenne ihn sonst eigentlich nicht gern beim Namen. Da gibt es unterschiedliche Darstellungen. Jetzt sage ich nun doch einmal etwas dazu: Die Zeitabstände zur Aufkündigung der Koalition, mit denen dieses Gespräch stattgefunden haben sollte, wurden auf einmal so kurz, dass es noch kurz vor dem Koalitionsausschuss war. Da - war ich nachweislich unter Beobachtung von allen Presseleuten - den ganzen Tag, von morgens bis abends, und nachts hat mich die Presse begleitet.