Die Dresdner Bank kommt nicht zur Ruhe. Seit der Übernahme des Geldhauses durch die Allianz im Frühjahr halten sich Gerüchte, der Versicherungsriese sei nur an den Privatkunden der Bank interessiert: Nach einer Schamfrist werde sich der neue Allfinanzkonzern von banktypischen Bereichen wie dem Investmentbanking und dem Firmenkundengeschäft trennen, die Dresdner also zerschlagen. So etwas trägt nicht unbedingt dazu bei, die Stimmung unter den Mitarbeitern der Bank zu verbessern - zumal sich die Zusammenarbeit zwischen Bankern und Versicherungsexperten schon jetzt als schwierig erweist.

Zum Beispiel im Firmenkundengeschäft: Zwar betonten Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle und Dresdner-Vorstandssprecher Bernd Fahrholz stets, wie wichtig es für den neuen Konzern sei, den Kontakt zu den Unternehmen zu halten, denen die Bank heute Kredite gibt - schließlich kann man diesen lukrative Produkte für die betriebliche Altersvorsorge verkaufen. Doch nun beklagen sich immer mehr Firmenkundenbetreuer der Bank über die aggressive Vertriebsstrategie der Allianz: So gibt es genaue Vorgaben, wie viele Kontakte zu Unternehmen - so genannte Leads - die Banker den Versicherungsvertretern übergeben sollen. Zudem sind die Banker angehalten, selbst mehr Versicherungen zu verkaufen.

"Wir machen den Türöffner für die Allianz, weil wir die Bilanzen der Unternehmen kennen", heißt es in der Bank, "können uns aber weniger ums eigentliche Geschäft kümmern." Die Allianz-Vertreter wiederum, die derzeit die Firmenkundenbetreuer der Bank begleiten, müssen täglich berichten, wie viel sie verkauft haben. Hinzu kommt: Einen eventuellen Versicherungsfall beim Kunden sollen künftig die Banker entgegennehmen

die aber mosern nun, "doch keine Versicherungsvertreter zu sein".

Die Zusammenarbeit sei in Wahrheit "eine Einbahnstraße", klagen Banker in Frankfurt. Es gehe der Allianz vor allem darum, möglichst schnell an die Kontakte der Kreditberater zu kommen: "Die lutschen uns aus wie eine Zitrone, dann werfen sie uns weg." Davon will man im Hauptquartier des Versicherungskonzerns nichts wissen: Die betriebliche Altersvorsorge sei neben der privaten "die tragende Säule unserer Equity-Story", so ein Sprecher.