die zeit: Über 350 000 Menschen haben das Jüdische Museum bisher besucht, viele waren begeistert, obwohl es dort nichts zu sehen gab als Architektur.

Drei Jahre lang stand das Gebäude im Mittelpunkt, jetzt zieht die Dauerausstellung ein. Bedauern sie das?

Daniel Libeskind: Nein, überhaupt nicht. Warum sollte ich?

zeit: Vielleicht weil nun die Architektur nicht mehr die Hauptrolle spielt.

Libeskind: Das leere Gebäude war eine Ausstellung für sich, da haben Sie Recht. Und ich war natürlich glücklich, dass viele Leute sich auf intellektuelle und emotionale Weise mit dem Gebäude identifiziert haben. Doch diese Ausstellung ist nun beendet, und ich freue mich darüber. Denn bislang dominierte die Leere, und damit war das Gebäude in seiner Wirkung viel zu sehr auf den Verlust, auf die Auslöschung der jüdischen Kultur festgelegt. Es ist ja kein Holocaust-Museum, und das wird sehr deutlich werden, wenn nun endlich auch die Exponate gezeigt werden.

zeit: Die Ausstellungsmacher allerdings klagen über den Zickzack-Bau. Warum haben Sie nicht mehr Rücksicht auf deren Bedürfnisse genommen?

Liebeskind: Natürlich ist dieses Gebäude keine konventionelle Kiste, aber es stimmt einfach nicht, dass es die Kuratoren hier besonders schwer haben.