Lech

Der Dieter", sagt ein Freund, "ist ein Mann, der, wenn er einmal wie Helmut Kohl sein Ehrenwort gegeben hat, sich unter allen Umständen daran hält.

Komme, was da wolle. Dieter steht treu zu seinen Freunden." Diese Treue brachte Dieter Holzer, Global Player im internationalen Wirtschaftslobbyismus, vergangene Woche vorübergehend in eine Zelle.

Am Donnerstagabend erschien die österreichische Polizei in der Wohnung seines Sohnes in Lech und führte ihn ab. Zeugen der Verhaftung waren zwei Beamte des Bundeskriminalamtes. Sie verschwanden wenig später mit Holzers Handy-SIM-Karten, gefüllten Aktentaschen und seinem Notebook. Kaum 24 Stunden später setzte der Vorarlberger Untersuchungsrichter Manfred Bolter den saarländischen Geschäftsmann, der wegen eines französischen Haftbefehls seit einem Jahr weltweit zur Fahndung ausgeschrieben ist, wieder auf freien Fuß.

Holzer musste eine Kaution 711 000 Mark hinterlegen und versprechen, sich seinem Auslieferungsverfahren nach Frankreich nicht durch Flucht nach Deutschland zu entziehen.

Was einen Fahnder zu dem Stoßseufzer veranlasst, der Balkan beginne gleich hinter Freilassing, kommentiert Rainer Fitz, Sprecher der Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos Vorarlberg, etwas milder: "Der Untersuchungsrichter hat Holzer sein Vertrauen geschenkt, und es wird sich zeigen, ob Holzer das Vertrauen rechtfertigt und in Vorarlberg bleibt - oder aber ob er nach Deutschland verschwindet." Das österreichische Recht schreibt die Freilassung eines Auslieferungshäftlings vor, wenn die zu erwartende Strafe unter fünf Jahren Gefängnis liegt - und mehr als fünf Jahre Haft drohen Holzer in Frankreich nicht.

Offenbar galt dem Geschäftsmann nicht das Hauptinteresse der Fahnder. "Im Zuge eines anderen Ermittlungsverfahrens, in dem die Fahndung läuft, ist Herr Holzer als Nebenprodukt aufgelaufen", sagt der Augsburger Staatsanwalt Hans-Jürgen Kolb. Das Verfahren, von dem Kolb spricht, wird seit knapp zweieinhalb Jahren erfolglos betrieben und entwickelt sich zum Desaster für "die besten Zielfahnder der Welt", wie Innenminister Schily seine Experten in der Ermittlungssache ZD 14-91/99 bezeichnet. Seit 27 Monaten fahnden Schilys Topleute vergebens nach Deutschlands meistgesuchtem Mann: Holzers Duzfreund Ludwig Holger Pfahls, ehemals Staatssekretär im Verteidigungsministerium, davor Verfassungsschutzpräsident und persönlicher Referent von Franz Josef Strauß.