Cholesterinsenker als "Lifestyle-Drogen" zu bezeichnen ist nicht nur ein Affront gegen alle Kranken, sondern scheint einige Fakten zu ignorieren.

Umstellung der Ernährung reicht bei genetisch bedingten Fettstoffwechselstörungen bekanntlich nicht aus. Für Infarkt- und Bypasspatienten sind Cholesterinsenker lebenserhaltende Medikamente.

Dr. phil. Helga Topel Bypasspatientin Sulzbach-Rosenberg

Ich habe kein Übergewicht, keinen Bluthochdruck, rauche nicht, esse viel Gemüse und Obst, ersetze Fleisch durch Fisch (keine Krustazeen), gehe zweimal in der Woche zum Koronarsport und habe ohne Medikamente einen Gesamtcholesterinspiegel von über 300. Über die Gründe haben die Fachleute bisher vergeblich spekuliert. Ohne Lipobay oder vergleichbare Statine wäre ich längst tot!

Hans-Ulrich Renner, Potsdam

In der ärztlichen Praxis wurden Lipobay und andere Lipidsenker zweifellos mit bester Absicht verordnet, obwohl die Bedeutung des Risikofaktors Cholesterin auch in der Wissenschaft umstritten.

Laut Professor Jürgen Fölich (Pharmakologe an der Medizinischen Hochschule Hannover) "hat die Pharmaindustrie aus kommerziellen Interessen mit dazu beigetragen, dass ein immer niedrigerer Cholesterinwert als erstrebenswert galt. Folge: Immer höhere Dosierung des cholesterinsenkenden Mittels und damit die schon lange bekannte Gefahr für das Muskelsystem, nämlich tödlicher Abbau von Muskelzellen". Ganz zu schweigen von der seit Jahren dokumentierten Tatsache, dass bei älteren Menschen ein erhöhtes Serumcholesterin sogar lebensverlängernd wirkt.