Mit dem Mauerfall tat sich der Weg zum Entgegenkommen von Ost und West auf.

Aber haben wir die Vergangenheit tatsächlich schon überwunden, wenn die Präsidenten Bush und Putin einander zu beweisen versuchen, dass die USA und Russland keine Gegner mehr sind? Andererseits: Kann man noch von Stillstand, Erstarrung reden, wenn Russland und die EU einen Dialog über die strategische Partnerschaft führen? Wir befinden uns irgendwo mitten auf dem Weg zueinander.

Der größte Fehler erst der UdSSR und dann Russlands ist es geblieben, die Ostpolitik des Westens als verfehlt zu bezeichnen. Es war und ist naiv, zu glauben, dass sich der Westen "bessern" wird. In ihm nur den politischen Gegner zu sehen heißt, den eigenen Handlungsspielraum einzuengen. Aus einer derart verzerrten Perspektive lassen sich reale Interessen und Absichten des Partners und Gegenspielers nicht einschätzen. Genau darauf aber kommt es an, wenn Russland eine eigene Strategie entwickeln will, die Realitäten und nationale Prioritäten zu verbinden.

Nachdem man auf ein Europa "von Vancouver bis Wladiwostok", das der Westen einst Gorbatschow versprach, vergebens gewartet hatte, begann Moskau, die Keule der "adäquaten Antworten" auf die Nato-Pläne zu schwingen. Nach dem westlichen Eingriff im Kosovo wurden die Beziehungen zur Allianz eingefroren.

Nur: Jedes Ding hat zwei Seiten. Russland musste dem Westen Schritt für Schritt nachgeben. Über die wichtigsten Fragen der europäischen Sicherheit hatte es zur Jahrtausendwende nicht viel mitzureden.

Der größte Fehlgriff des Westens ist, Versäumnisse der Westpolitik Russlands auszubeuten. Er befreite sich schnell von der Euphorie, die Gorbatschows Ideen zum gesamteuropäischen Haus ausgelöst hatten, und konzentrierte sich auf die Verfestigung und Vermehrung seiner Bollwerke. Nachdem die westlichen Verbündeten von der Anpassungsbereitschaft des damaligen Außenministers Kosyrew und von den "demokratischen" Zugeständnissen Boris Jelzins genug profitiert hatten, griffen sie wieder häufiger zur Peitsche statt zum Zuckerbrot. Die Zusammenarbeit diente immer weniger den gegenseitigen Interessen und immer häufiger als Mittel der Druckausübung gegenüber Russland. Doch der Westen vergaß offenbar, dass jedes Ding zwei Seiten hat.

Indem er den Partner zurückstieß, stärkte er die antiwestliche Stimmung der Russen.