Der bernsteingelbe Clubsessel streckt einladend seine gepolsterten Arme aus.

Sich hineinschmiegen und einen angenehm temperierten Portwein gereicht bekommen. Mit dem Herrn gegenüber ein bisschen über Politik parlieren, den sinkenden Aktienkurs oder einen Verriss im Feuilleton. So lässt es sich wohl sein, dafür bezahlt man gern Tausende Mark Jahresbeitrag - für exquisite Bequemlichkeit und vor allem die Gewissheit, unter seinesgleichen zu sein.

Diskretion garantiert.

Clubs haben eine lange Tradition - und Tradition ist moderner denn je in der hoch technologisierten Welt des 21. Jahrhunderts. So ist der altehrwürdige Club nach britischem Vorbild wieder in Mode gekommen: Intellektuelle, Vermögende, Wirtschaftsbosse nutzen ihn wie andere ihren Schrebergarten. Die ambitioniertesten Projekte entstehen zurzeit in Berlins Mitte: Bauunternehmer Anno August Jagdfeld baut am Pariser Platz zwei Etagen zwischen dem Hotel Adlon und der Akademie der Künste zu einem Privatclub aus. Vorbild ist der China Club des Milliardärs David Tang in Hongkong. Am Gendarmenmarkt, im siebten Stock des Hotels Hilton, wird im Herbst der Capital Club aus der Taufe gehoben: Treffpunkt für einen exklusiven internationalen Mitgliederkreis, wie es in der Investorenbeschreibung heißt. Präsident des Gründungskomitees ist Exbahnchef Heinz Dürr, die Aufnahmegebühr liegt bei 6000 Mark.

Der Kosmopolit wählt den Hamburger Übersee-Club

Clubs wecken Erwartungen, ihre Mitglieder verlangen diskrete Abgeschlossenheit und Exklusivität - nicht jeder soll sich in jedem wohlfühlen. Der Kosmopolit mit einem aufgeschlossenen Verhältnis zu Kultur, Wissenschaft und Politik beispielsweise findet sein Pendant im Hamburger Übersee-Club. Hier lauscht er den Worten Jassir Arafats und Wolfgang Schäubles, hier hört er Siegfried Lenz und Martin Walser aus ihrem neuesten Werk lesen. Der nonchalante Hedonist mit geschäftlichen Interessen dagegen entspannt sich besser in der Havanna Lounge in Berlin, Frankfurt am Main oder Hamburg. Zwischen stoffbespannten Wänden hängt dort der Dunst kubanischer Zigarren, welche die Mitglieder in persönlichen Schließfächern gleich dutzendfach verwahren.

Im Sällskapet in Stockholm tafeln königstreue Väter und Söhne unter prachtvollen Kronleuchtern, spielen nach dem Dessert Bridge, gehen auf die Jagd, machen Ausflüge aufs Land. Und in Barcelona treffen sich katalanische Rechtsanwälte, Ärzte oder Bankdirektoren mit blank geputzten Schuhen im old fashioned Ambiente vom Circulo Ecuestre. 1856 als Reitervereinigung gegründet, dient der Club heute vornehmlich beruflichen Mittagessen, Konferenzen oder Vorträgen. In Amsterdam dagegen kommen Intellektuelle und Kreative im Kring zusammen und debattieren beim Wein in der Lounge über Politik und Literatur.