Noch immer ist Wörlitz trunken vor Stolz, den Titel Weltkulturerbe tragen zu dürfen (ZEIT Nr. 35/01). Doch mitten hinein in die Freude dröhnt eine Sprengsirene: Einer der mittlerweile wichtigsten und umstrittensten Bauten des Gartenreichs soll geschleift werden, das Kraftwerk Vockerode. Am 22.

September werden die vier Riesenschlote fallen - und damit ist wohl auch das Ende der imposanten Industriehallen besiegelt. Manche sind froh darüber, dass diese Landmarke des 20. Jahrhunderts verschwindet, sie sahen das beschauliche Glück des Gartens gestört. Doch die Sprengfreunde irren: Auch Vockerode ist ein eingetragenes Denkmal und somit ein unverzichtbarer Teil des Gartenreichs. Denn nur wer das Kraftwerk trotz Sanierungskosten und Leerstand bewahrt, setzt das Wörlitzer Aufklärungsprojekt fort. Dessen Schöpfer wollten Technik und Natur zu neuer Einheit führen, sie begriffen das Nebeneinander der Zeiten und Stile als Reichtum und übten Toleranz. Warum nicht auch wir?