Es gab schon mal einen "ehrlichen Makler" in Berlin. Er hieß Otto von Bismarck und lud im Sommer 1878 zum Berliner Kongress. Die Parallelen zu Joschka Fischer sind verblüffend. Damals ging es wie heute um die gefährlichste Ecke der Weltpolitik: Auf dem Balkan drohte Krieg zwischen England, Österreich und Russland, in der Levante standen Israelis und Palästinenser kurz davor. So wenig wie Fischer hatte Bismarck die Idee selbst ausgebrütet

der Anstoß kam damals von den Russen, heute von Jassir Arafat.

Und gejubelt wurde leise. Wir können nur verlieren, notierte Bismarck, weil "keiner die Unterstützung bekommen würde, die er von uns erwartet". Fischer bemühte sich heftigst, Erwartungen gar nicht erst sprießen zu lassen.

Recht so, und nicht nur, weil für Arafat und den israelischen Außenminister Peres gilt, was Bismarck über den Briten Disraeli und dessen Widersacher Gortschakow zu sagen hatte: Beide seien "gleichermaßen von gefährlicher Eitelkeit" geprägt. Heute geht die Sache tiefer. 1878 war der große Krieg von 1914 noch weit weg. Jetzt ist er schon da - siehe die mörderische Eskalation in dieser Woche. Damals hatten sich Briten und Russen schon geeinigt, bevor sie Bismarck beehrten, heute aber wollen die Nahost-Krieger erst den Willen der anderen Seite brechen. Nur die Erschöpfung wird sie wieder an den Verhandlungstisch treiben. Fischer hätte sich länger zieren müssen - wie Bismarck, der dem Drängen der Russen erst nach zwei Jahren nachgab.

Natürlich wäre Berlin 2001 ein hübscher Coup, zum Nutzen Deutschlands wie zum Frommen Fischers. Aber noch sind Bismarcks Schuhe zu groß für seine Erben.

Das Land ist weder strategisch noch gesellschaftlich auf die Rolle vorbereitet, die andere ihm zutrauen. Umringt von mächtigen Gegnern, musste das Reich Große Politik betreiben. Aber heute? Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist Deutschland umzingelt nur von Freunden

es geht nicht mehr um Existenzielles, sondern um Bosnien, Kosovo, Mazedonien - um Gewissens-, nicht Interessenkriege.