Wer möchte nicht Chef eines solchen Unternehmens sein? Nach Umsatz weltweit die Nummer zwei in der Branche, nach Renommee und Zahl der Patente die Nummer eins. Weltmarktführer bei zahlreichen High-Tech-Produkten, seit 1980 ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 8,5 Prozent.

Anteilseigner, die den größten Teil des Gewinns im Unternehmen lassen und sich mit einer bescheidenen Dividende zufrieden geben. Aber das Schönste - weit und breit kein Analyst, der in die Geschäftspolitik hineinredet.

Den Traumjob hat Hermann Scholl. Der 66jährige Schwabe dirigiert eine Unternehmensgruppe mit mehr als 200 000 Mitarbeitern und bald 70 Milliarden Mark Umsatz. Die Konzernzentrale liegt idyllisch auf der waldumsäumten Schillerhöhe im Stuttgarter Vorort Gerlingen. Doch obwohl die Bosch-Gruppe für das Jahr 2000 eine Rekordbilanz vorlegen konnte, geht es dort alles andere als beschaulich zu. Der Chef ist dabei, das Unternehmen auf den Kopf zu stellen. "Wir sind sehr groß geworden, sagt Scholl, "und groß gewordene Organisationen neigen zur Schwerfälligkeit."

Bosch ist ein Konzern mit zwei Gesichtern. Da sind zum einen die Produkte von der Bohrmaschine über die Tiefkühltruhe bis zur elektronischen Motorsteuerung, die einen glänzenden Ruf genießen. Dies gilt ganz besonders für die Kfz-Technik, mit der die Gruppe mehr als 70 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet. Bahnbrechende technische Innovationen sind hier regelmäßig mit dem Namen Bosch verknüpft: das Anti-Blockier-System ABS, das Antischleuderprogramm ESP, die High-Tech-Diesel-Einspritzsysteme, mit denen die einst lahmen Selbstzünder zu wahren Geschossen werden und zugleich bis zu 30 Prozent Sprit sparen, oder jüngst die elektrohydraulische Bremse im neuen Mercedes SL, die für den Fahrer mitdenkt. Keine Frage: Ohne die schwäbischen Tüftler wäre die heutige technische Ausnahmestellung der deutschen Autobauer auf den Weltmärkten kaum vorstellbar.

Da ist zum anderen aber auch der Ruf eines zentralistisch nach Altväter Art geführten Unternehmens, das die Eigeninitiative seiner Mitarbeiter erstickt

eine Führung, die aufgrund ihrer vornehm zurückhaltenden Öffentlichkeitspolitik ihr Unternehmen unter Wert verkauft

die Rechtsform einer GmbH, die im Wesentlichen einer Stiftung gehört, wodurch der heilsame Druck des Börsenkurses fehle, bemängeln Kritiker.