Jerusalem

Peres und Arafat könnten überall miteinander reden - "in Berlin oder auf dem Mond". Der israelische Vizeaußenminister Melchior schert sich nicht um den Ort. Ihm liegt allein eine "sorgfältige Vorbereitung" dieses Treffens, das, wie er beteuert, "sehr entscheidend" sein würde, am Herzen. Geplant sei es für nächste Woche. Das war Montag früh.

Illusionen machte sich bald darauf nicht einmal mehr der Berufsoptimist Peres. Es brauche mehr als bloß ein Treffen, um einen Waffenstillstand auszuhandeln, unterrichtete er am Montagnachmittag seinen deutschen Kollegen - wenige Stunden nach der spektakulären Liquidierung des PFPL-Chefs in Ramallah durch israelische Raketen. Joschka Fischer bleibt also weiter am Ball, auch wenn die blutige Aktualität seinen jüngsten Vermittlungsversuch überschattet hat. Großartige Würfe aber sind außer Sichtweite. So bleibt Fischers bescheidener Ansatz: Man müsse "bestehende Räder zum Laufen bringen".

Die Mechanismen für eine mögliche Beruhigung gibt es längst. Als Ziel gilt nach wie vor, den Plan des ehemaligen US-Senators George Mitchell umzusetzen, der von beiden Seiten akzeptiert worden war. Allein müssten Israelis und Palästinenser sich dazu auf die Höhe der Messlatte einigen, die einen Einstieg ermöglicht. Ariel Scharon war bisher nur vorübergehend von seiner Forderung abgerückt, dass erst sieben Tage lang Ruhe herrschen müsse, bevor es zu einer Kontaktaufnahme mit den Palästinensern kommen könnte. Eine ganze Woche ohne Gewalt aber ist derzeit höchst unwahrscheinlich.

Der PLO-Chef denkt nicht daran, seine Führungsrolle zu gefährden, indem er ohne irgendein israelisches Zugeständnis zum Ende der bewaffneten Intifada aufriefe. Dann wären aus Sicht der Palästinenser der ganze Aufstand, die Opfer vergeblich gewesen. Scharon wiederum weigert sich, unter Beschuss Zugeständnisse zu machen. Dann würde sich aus Sicht der Israelis Gewalt lohnen. Scharon hält an der Tötungspolitik fest, zur "Selbstverteidigung", wie es heißt. Das treibt die Eskalation weiter.

Um aus der Sackgasse herauszufinden, will es Peres jetzt wenigstens mit Zonen der Sicherheit probieren. Eine Waffenruhe in Etappen soll jene Wochenfrist ersetzen, wie sie im Plan des amerikanischen CIA-Chefs Tenet vorgesehen war.

Auf diese Weise ließe sich zwischen "leichteren" und "schwierigeren" Regionen unterscheiden - und auf die Eigendynamik des Prozesses hoffen.