Eine sensationelle Neuigkeit! Zugleich ein Staatsgeheimnis, von dem weder die westlichen Geheimdienste noch die in Moskau akkreditierten ausländischen Journalisten etwas ahnen: Moskau heiratet! Na klar, werden Sie sagen, das arme Ding (diese verzweifelte, mafiöse Prostituierte), es träumt von einem warmen Plätzchen in Europa. Der naive und stolze Westen: Während er noch nach einem bescheidenen Platz für Moskau in der Rolle der Gnadenbrotempfängerin sucht, hat dieses sich schon um 180 Grad gedreht und dem Osten in die Arme geworfen. Beginnen wir mit dem Präsidenten: Während Jelzin, wenn er nicht betrunken war, in seiner Freizeit Tennis spielte, treibt der Antialkoholiker Putin Judo und schleudert jeden auf die Matte.

Fahren Sie mal in Moskau herum, die Stadt ist übersät mit japanischen Hieroglyphen, als wäre sie von einem Ausschlag befallen, auf den Breitseiten der Moskauer Oberleitungsbusse ist der Fudschijama abgebildet - Werbung für Restaurants, Ikebana-Ausstellungen, No-Theater-Gastspiele und japanische Technik. Neulich wollte ich in einem großen Moskauer Kaufhaus Bettwäsche aus russischer Produktion kaufen. Die Verkäuferin sagte: Nehmen Sie die Laken mit den Hieroglyphen. Die kaufen jetzt alle. Das ist gerade in Mode. Nun ist mein Bett voller Hieroglyphen. Allerdings habe ich keine Ahnung, auf was für Sätzen ich schlafe, wer weiß, vielleicht auf Forderungen der Japaner, ihnen die Kurilen zurückzugeben, und vielleicht sollte ich bei Gelegenheit eine Bekannte aus der japanischen Botschaft zu mir einladen, damit sie mir den Text übersetzt.

Die japanische Botschaft ist übrigens derzeit wohl der schickste Ort in Moskau. Bei Empfängen kann man dort die gesamte Moskauer Elite antreffen: Politiker, Intellektuelle, Rockstars, Banker. Alle haben gelernt, mit Stäbchen zu essen. Es ist paradox: Russland will tatsächlich um keinen Preis die vier kleinen Inseln hergeben, die man den Japanern weggenommen hat

bis heute ist kein Friedensabkommen unterzeichnet, im Grunde genommen sind wir immer noch Feinde, und dabei hat Russland an Japan sein Herz verschenkt: Moskau! Seinen Magen ebenfalls. In den letzten zwei Jahren sind in Moskau an die hundert japanische Restaurants und Sushi-Bars entstanden (zu Sowjetzeiten gab es nur ein einziges japanisches Restaurant), und heutzutage gehen alle Verliebten Sushi essen, denn was wäre das sonst für eine Liebe?

Auch unsere russische Seele haben wir bei den Japanern abgegeben. Die japanische Literatur steht hoch im Kurs, ebenso der japanische Minimalismus (welcher sich streng genommen in himmelschreiendem Widerspruch zum russischen Maximalismus befindet)

der Inbegriff von Ehre für russische Männer wie Frauen ist der Samurai

den köstlichsten Tee gibt es bei japanischen Teezeremonien (als ich kürzlich in der Moskauer Universität bei den mir vom Studium her wohlvertrauten Philologen vorbeischaute, wurde ich sofort genötigt, die Schuhe auszuziehen und nach allen Regeln der besagten Zeremonie einen Tee zu mir zu nehmen)