Wer wissen will, wie man innerhalb von 18 Monaten 300 Millionen Dollar "verbrennt", kann dies in dem Buch BooHoo.com nachlesen, das demnächst bei Random House erscheint und der Renner unter den Managementtiteln des Herbstes werden soll. Der Luxusgüterversand Boo gehörte einst zu den Stars der Internet-Ökonomie. Nach 18 Monaten brach die Firma zusammen, weil die Boo-Gründer Ernst Malmsten und Kasja Leander keine Geldgeber mehr fanden.

Nach einem Bericht des Observer soll sogar eine Verfilmung mit Hollywood-Star Cameron Diaz geplant sein. Vorab bekannt gewordene Details belustigen derweil die Branche. Nicht weniger als 40 Leibwächter schützten das Leben der beiden Boo-Gründer und damit den Kurs der Aktie. Zum Vergleich: Bill Gates kommt mit zwei Personen aus.

In der Frühzeit der Computerei reichten ein einfaches :) oder ein <g> aus, um ein Lächeln auszudrücken. Inzwischen ist selbst das zu wenig. OASIS, das Standardisierungsgremium für die Dokumenten-Formatierungssprache XML (Extended Markup Language) arbeitet darum an einer Erweiterung der Formatierungsregeln. Unter Human Markup Language (Human ML) soll ein komplexer Satz von Gefühlen, kulturellen Eigenheiten und nonverbalen Hinweisen so standardisiert werden, dass sie per Mail übertragen werden können. Schließlich ist das Grinsen eines Westeuropäers etwas anderes als das berühmte asiatische Lächeln. An Human ML sind Psychologen, Sprachforscher und Programmierer aller Kontinente beteiligt. "Wir werden alle persönlichen und gesellschaftlichen Missverständnisse ausräumen, die in der unvollständigen Übermittlung menschlicher Ausdrucksformen begründet sind", heißt es in der Projektbeschreibung.

Im Internet sind Namen alles: BooHoo.com gehört der Firma Yahoo.com, die alle Namen mit oo besetzen möchte. Noch umfassender agiert die Deutsche Telekom, die unerbittlich die Nutzung der Farbe Magenta verfolgt. Die Tochter DeTeMedien, Herausgeberin der Gelben Seiten, will unter Berufung auf das Markenrecht die "Schwarzen Seiten" vom Netz nehmen. Das sind Sites wie www.darkpages.de oder www.schwarzeseiten.de, die sich mit New Wave und Gothic-Musik beschäftigen und damit offensichtlich am guten Image der Telefonbücher rütteln.

Detlef Borchers (online@zeit.de)