Seien wir ehrlich: Als Yella neulich auf der Firstalm in den bayerischen Bergen zwischen Schliersee und Spitzingsee nach der Arbeit ihre dreckigen Stiefel auszog, als Yella - 37 Jahre alt, rötlich blond, mit Designerbrille und einem schnell bereiten Lachen - ihre verschwitzten Socken herunterschälte, die Füße hochlegte und mit den nackten Zehen wohlig in der Spätnachmittagssonne wackelte, da hat in der aufgekratzten kleinen Runde, die um sie herum vor Weißbier und Radlerhalben saß, mindestens ei n Mann überrascht geglotzt. Pinkfarbene Fußnägel! Zehn Stück! Quietschrosa lackiert, genau in der Farbe ihres knappen Hemdchens. Am Strand nicht der Rede wert, war das ein ziemlicher Hingucker, da heroben im Gebirg'.

Hätt' dem Wildschütz Jennerwein bestimmt auch gut gefallen, wenn er grad da gewesen wär'. Kleine Abschweifung gestattet? Der historische Wilderer war einst oft auf der Firstalm, die auch heute noch eine richtige kleine Alm ist (zwei Kühe, 40 Kälber, die Sennerin heißt Christiane und fährt einen Renault Rapid mit geblümten Vorhängen), hauptsächlich aber ein großes Berggasthaus mit sehr vielen Verbotsschildern und einem Souvenirshop. Jennerwein liegt seit mehr als hundert Jahren drunten im Tal auf dem Friedhof. Dort ruht er jetzt, heißt es im bekanntesten Volkslied der Gegend, im Grabe wie ein jeheder und wartet stille auf den Jüngsten Tag

dann zeigt uns Jennerwein den feigen Jähäger, der ihn von hinten her erschossen hat. Auf den Jennerwein kommen wir noch zurück.

Yella mit den anregenden Zehen gehörte zu einer Gruppe von sieben Freiwilligen, zwei Frauen und fünf Männern, die an einem lawinengefährdeten Steilhang oberhalb der Straße zwischen Schliersee und Spitzingsee eine Woche lang unter Anleitung eines Försters junge Bäume pflanzten. Freiwillig?

Unbezahlt? Genau. Sie legten sogar noch was drauf: fünf Urlaubstage sowie die Kosten für Reise und Verpflegung. Nur Übernachtung und Frühstück auf der Firstalm zahlte der Deutsche Alpenverein (DAV), der das Ganze organisierte.

Die Arbeit war anstrengend

wegen Steinschlag und Rutschgefahr nicht ganz ungefährlich. Am dritten Tag rannten wir vor einem Gewitter halsbrecherisch davon, hinunter, bloß hinunter, und wurden doch so nass, dass die Klamotten noch am nächsten Morgen klamm waren. Trotz solcher Härten war's ... schön.