Rassismus zählt zu den ältesten Plagen der Menschheit. In Südafrika, wo dieser Tage die UN-Rassismuskonferenz beginnt, wurde vor zehn Jahren die Apartheid abgeschafft - nun führt sie das benachbarte Simbabwe unter umgekehrten Vorzeichen wieder ein: Schwarze vertreiben Weiße von den Farmen.

Als staatliches Programm ist der Rassismus geächtet. In den "Zivilgesellschaften" lebt er fort: vom indonesischen Kalimantan, wo die Ureinwohner die Maduresen massakrieren, bis hin nach Bradford oder Eberswalde, wo sich die underdogs der Industrienationen an fremd aussehenden Einwanderern abreagieren. Darüber reden, zum Beispiel auf einer Konferenz, wird die Menschheit kaum erlösen. Aber schaden, dachten sich die Vereinten Nationen, kann es auch nicht. Oder doch?

Die Absage Colin Powells, des ersten schwarzen Außenministers Amerikas, überschattet das humanistische Get-Together schon jetzt. Seine Weigerung, den Zionismus als Spielart des Rassismus zu verhandeln, drückt keine proisraelische Voreingenommenheit aus. Powell reagiert auf die Versuchung interessierter Länder, die ehrenwerte Absicht der UN-Organisatoren politisch zu instrumentalisieren. Am Ende wird gewiss auch diese Konferenz das Bewusstsein der Völker schärfen. Aber nicht für den Rassismus in der Welt, sondern für die Naivität einer Weltorganisation, in der immer wieder gute Menschen gute Taten ohne Ansicht der Verhältnisse vollbringen wollen.