Die Daimler-Chrysler-Fusion erinnert in vielem an die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Diana - nur dass in diesem Fall zwei Kutschen heirateten.

Eine elitäre Nobelmarke aus uraltem deutschem Autoadel hielt um die Hand einer schönen Braut aus der Neuen Welt an und wurde erhört. Es war eine Märchenhochzeit - eine Hochzeit im Himmel nannte sie der Daimler-Chef Jürgen Schrempp im Mai 1998 -, und die Trauzeugen - Wall Street, seine Analysten und auch Hauptaktionäre wie der Milliardär Kirk Kerkorian - waren begeistert. Prompt stieg die DaimlerChrysler-Aktie kurz nach ihrem Börsengang am 11. November 1998 auf den Traumwert von 108,62 Dollar.

Bei der Bilanz-Pressekonferenz am 26. Februar 2001 hatte sich das Traumpaar erstaunlich verändert. Die amerikanische Braut schien verschwunden zu sein.

Genauer gesagt, aus ihr war ein Deutscher mit Glatze und Schnauzbart geworden: Chief Exekutive Officer Dieter Zetsche - ein Name, der Amerikaner, wenn überhaupt an etwas Anglophones, eher an Frau Thatcher denn an Lady Diana erinnert. Zwar wurde am Vorstandstisch tapfer Englisch gesprochen, aber durchwegs mit deutschem Akzent. Der deutsche Partner zeigte sich bei dieser Vorstellung immer noch in strahlendem Licht

über Chrysler jedoch gab es Katastrophenmeldungen. Es gibt nichts zu beschönigen, sagte Jürgen Schrempp, inzwischen der alleinige Vorstandschef von DaimlerChrysler, die Situation in den USA hat sich dramatisch verschlechtert.

Wall Street zeigte sich nicht übermäßig beeindruckt vom Sanierungsplan der Deutschen. Die DaimlerChrysler-Aktie pendelte sich nach einem Tief von 37,75 Dollar im Dezember 2000 bei einem Wert um 50 Dollar ein. Seit der Fusion hatte sich der Aktienwert des drittgrößten Autokonzerns der Welt mehr als halbiert und betrug weniger, als Daimler ohne Chrysler wert gewesen war. Was war geschehen?

In der Zoologie der wirtschaftlichen Organisationsformen gehören die transnationalen Zusammenschlüsse zu den faszinierendsten Lebewesen. Auf der einen Seite sind sie robuste, computergenerierte Riesentiere, deren Knochen und Gelenke sich aus Tausenden von Wirtschaftsdaten, Börsennotierungen und Absatzprognosen wunderbar logisch zusammensetzen. Andererseits gleichen sie unbeständigen Wetterformationen, die unberechenbaren Turbulenzen unterworfen sind. Das Problem spitzt sich noch gewaltig zu, wenn es sich um den Zusammenschluss von zwei Autokonzernen handelt. Autos sind hoch symbolische und emotional besetzte Produkte. Im emotionalen Haushalt einer motorisierten Durchschnittsfamilie kommen Autos dicht nach den Kindern und im Zweifelsfall vor den Haustieren.