Sechs deutsche Fotoauktionen im Frühjahr und noch einmal sechs im Herbst, gibt der Markt das wirklich her? "Das ist zu viel des Guten und sogar mehr als in Amerika", kommentiert Henrik Hanstein vom Kunsthaus Lempertz. Das älteste noch im Familienbesitz befindliche Unternehmen, das im kommenden Jahr des 200. Jubiläum feiert, hat als erstes deutsches Auktionshaus 1976 eine eigene Fotografieauktion durchgeführt. Zu dieser Zeit wurde noch heftig darüber diskutiert, ob Fotografie überhaupt als Kunst anzusehen sei. Mit der Rückendeckung der beiden Sammler L. Fritz Gruber und F. C. Gundlach wurde die Pioniertat zum Erfolg und fand nicht nur sein Publikum, sondern auch viele Nachahmer. Inzwischen ist die Fotografie im Auktionswesen fast überall präsent. Und als bei Lempertz im November 2000 zwei Konvolute von Peter Keetman und Leni Riefenstahl die 100 000-Mark-Grenze hinter sich ließen, nahm der Jubel kein Ende. Allerdings hat sich in den darauf folgenden Frühjahrsauktionen dieser Erfolg nicht wiederholt.

"Immer noch ist der Fotografiemarkt in Deutschland ein Einsteigermarkt", sagt der in Hamburg lebende Fotograf, Sammler und Promotor F. C. Gundlach, "und die deutsche Fotografie immer noch zu Unrecht unterrepräsentiert."

Ob nun zu viele Auktionen oder nicht, der Experte verweist auf die Gefahren der gegenläufigen jüngsten Strategien im Fotografie-Eldorado Amerika: "Dort hat man den Fotomarkt extrem auf Spitzenmaterial verengt, das funktioniert aber nur in Boom-Zeiten."

Ihn beschäftigen nach wie vor vordringlich die Fragen, wie sich die deutsche Fotografie international besser positionieren kann, ob man auf dem deutschen Markt bereit ist, für entsprechend gutes Material auch entsprechende Preise zu zahlen, und wann sich endlich die Käufer nicht nur für Motive, sondern über mehr Kennerschaft auch für die Werke selbst entscheiden.

Das Markttreiben mit der Fotografie ist in Deutschland mit zwei bleiernen Hemmschuhen berschwert. Nach der Mehrwertsteuer ist die Fotografie nicht als Kunst anerkannt und folglich mit 16 Prozent abzugelten. Von der Harmonisierung des Folgerechtes ist aber inzwischen auch die Fotografie erfasst, dabei bezieht sich das Folgerecht explizit auf Kunst. "Das ist absurd", sagt Gundlach.

Hanstein erwägt zur Umgehung dieser Knebelung bereits, demnächst die wichtigeren und teureren Fotowerke über die Schweiz zu versteigern. Ein Zusammenschluss der International Auctioneers (IA) mit zehn internationalen Auktionshäusern, dem er als Präsident vorsteht und dessen Hauptsitz in Genf ist, macht es möglich. "Dort", so Hanstein, "existiert kein Folgerecht."

Zunächst gibt man nun angesichts der nachgewachsenen Konkurrenz von Schneider-Henn, Bassenge, Grisebach, Neumeister, Hauswedell und Nolte (und zuletzt auch noch Van Ham und mehr und mehr auch mittelmäßiger Ware bis zu tausend Losen pro Auktion) in dem Kölner Haus die Devise aus: "Zahl der Lose runter, Qualität rauf."