Haben Sie einen Trauerfall?", lautet häufig die erste Frage, die Gäste der Debenham High School in Suffolk stellen. Die Frage ist verständlich.

Schließlich sind alle 500 Schüler komplett in Schwarz gekleidet, aufgehellt höchstens durch einen weißen Hemdkragen, der hier und da unter einem Sweatshirt mit Schul-Logo hervorschaut. Die Lehrer von Debenham nehmen die Frage mittlerweile gelassen. "Wir haben unseren Schülern vor zwölf Jahren erlaubt, selbst zu entscheiden, welche Farbe ihre Uniform haben soll.

Natürlich hatten wir mit einer etwas freundlicheren Lösung gerechnet. Aber Schwarz scheint das einzige corporate image zu sein, auf das sich Teenager heute einlassen", erklärt Jane King von der Schulleitung.

Immerhin gebe es an Debenham High weit weniger Disziplinprobleme, was die Kleiderordnung angehe. Und auf die wird in Suffolk wie in ganz England immer noch größter Wert gelegt, wie Jane King klarstellt: "Zu unserer korrekten Uniform gehört für Mädchen ein einfacher schwarzer Rock, der kein Wickelrock sein darf und nicht kürzer als 7,5 Zentimeter über der Mitte des Knies. Aber auch nicht länger als mittlere Wade. Stretchröcke sind ebenfalls nicht akzeptabel. Jungen tragen eine einfache schwarze Hose, die weder Skihose, Kordhose noch Jeans sein darf. Schwarze Socken oder schwarze Strumpfhosen müssen jederzeit getragen werden. Dazu schwarze flache Schuhe, allerdings keine Turnschuhe, Boots oder Slingpumps. Wir erlauben an unserer Schule keine übertriebenen Haarschnitte oder -farben. Schmuck darf Ohrknöpfe, eine dünne Halskette und je zwei Ringe per Hand nicht überschreiten. Hemden müssen in Rock oder Hose gesteckt werden. Schnürsenkel sollten ordentlich gebunden sein."

Was für manche deutsche Ohren nach Militärdrill klingen mag, ist an englischen Schulen eine selten angefochtene Tradition, deren Wurzeln heute allerdings keiner mehr so recht nachzuweisen vermag. Schließlich gab es im Königreich nie ein Gesetz, die schulpflichtige Jugend des Landes einheitlich zu kleiden. "Es war schon immer die Entscheidung jeder einzelnen Schule, ob sie eine Uniform einführt und wie diese aussieht", erklärt die Pressestelle des britischen Erziehungsministeriums. Dennoch gebe es nur wenige, meist private Schulen, die auf den soliden Einheitslook verzichteten. "Schließlich sind Uniformen in England Teil der Schulinstitution selbst und als solche wahrscheinlich schon so alt wie die Berge", heißt es im Ministerium. "Oder zumindest so alt wie die Romane von Charles Dickens."

Dass hinter der Einheitskleidung für alle 5- bis 18-jährigen Briten mehr steckt als ein disziplinierter Anblick, zeigen mittlerweile unzählige Studien: Weniger Gewalt und Gruppendruck, mehr Zusammenhalt und Zugehörigkeitsgefühl vermittele sie und gebe den Schülern Gelegenheit, sich mehr auf den Unterricht als ihr Äußeres zu konzentrieren. "Ich weiß nicht, wie viele Spice Girls unserer Schule durch unser züchtiges Schwarz schon erspart geblieben sind", sagt Jane King.

Die meisten englischen Eltern sind dankbar für die Kleidervorschriften. "Wir haben keine allmorgendlichen Diskussionen und geben im Jahr wahrscheinlich nur einen Bruchteil dessen für Designerjeans aus, was Eltern auf dem Kontinent hinlegen müssen", meint Deborah Walker, Londoner Mutter zweier uniformpflichtiger Töchter.