In Israel wird Tag für Tag eklatantes Unrecht verübt. Vereinbarungen, wie ein Stopp des Siedlungsbaus, werden gebrochen, Land wird enteignet, Häuser werden zerstört. Tausende von Menschen werden seit Monaten in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, ganzen wird Dörfern durch Abriegelung die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Da ist Kerets Aufruf zur emotionalen Distanz wohl doch nicht ganz so uneigennützig, wie es zunächst scheinen will.

Ist es nicht vielmehr so, dass die Konfliktparteien erst dann wieder an den Verhandlungstisch gebracht werden können, wenn sich die Weltöffentlichkeit endlich angemessen ereifert über das, was in Israel und den palästinensischen Gebieten geschieht?

Silke Fauzi, Hannover

Die Israelis haben die Macht. Die Lösung des Nahostkonflikts wird an dem Tage beginnen können, an dem die Besatzungsmacht anerkennt, dass Macht auch Verantwortung gegenüber den Besiegten beinhaltet. Die bisher von Israel praktizierte Arroganz der Macht ist der beste Garant für den Fortgang dieser Krise und das Geschehen immer neuer menschlicher Tragödien, auf beiden Seiten.

Prof. Olaf Schumann Hamburg

Ich habe selten einen zugleich so schonungslosen und einfühlsamen Artikel über den Nahostkonflikt gelesen.

Kerets Appell ist berechtigt, auch wenn er zunächst skrupellos erscheinen mag. Nicht Mitleid ist gefragt, sondern eben gerade Sachlichkeit. Nur dann können die Mannschaftskapitäne beider Seiten ihre jeweiligen Opfer nicht mehr ungehindert ins Tor der internationalen Medien kicken.