Seit drei Jahren sitzt die PDS in Mecklenburg-Vorpommern in der Regierung. Nun hat sie ihren ersten Skandal. Helmut Holter - Schweriner Arbeitsminister, Vizeministerpräsident und Oberrealo der PDS - hat seinen Staatssekretär entlassen, weil der einer Firma Fördergelder zugeschoben haben soll, die seiner Frau gehört und in der obendrein Holters Gattin angestellt ist. Wer es nicht schon immer wusste, weiß jetzt: Die PDS ist nicht sauberer als die etablierten Parteien.

Die "Ehefrauen-Affäre" illustriert aber ein größeres Problem: Der PDS mangelt es an kompetentem Personal. Nach wie vor ist die Partei ein Club ressentimentbeladener Rentner. Erfahrung im Regieren und Verwalten haben PDS-Politiker nur auf kommunaler Ebene sammeln können. Als man 1998 plötzlich in Schwerin mitregieren durfte, fehlte es an geeigneten Kadern. So dauerte die Suche nach einer Sozialministerin Wochen. So kam Holter zu seinem zweifelhaften Staatssekretär. So gingen einige der Posten, die der PDS nach Koalitionsarithmetik zustanden, gar an Sozialdemokraten.

Die Schweriner Regierungsbeteiligung ist für die PDS eine große Qualifizierungsmaßnahme. Es geht ihr nicht darum, viel sozialistische Programmatik zu verwirklichen - weshalb sie auch alle Zumutungen des großen Koalitionspartners SPD schluckt. Nur in der Verantwortung kann die PDS für weitere Machtübernahmen - etwa in Berlin - lernen. Jetzt übt sie das Management eines Skandals.