Skopje

Soso, Ihnen war nicht bekannt, dass hier ein Nationalmuseum steht? Aber ja, Fräulein. Mazedonien ist immer noch ein Land! Eine bittere Replik auf eine achtlose Bemerkung beim Einlass an der Museumspforte. Man kann es den Mazedoniern kaum verdenken, wenn sie sich mitsamt ihrem Staat derzeit wie unsichtbar vorkommen.

Fremde Soldaten ziehen durchs Land, um im Rahmen eines von Nato und EU ausgehandelten Friedensplans die Waffen albanischer Kämpfer einzusammeln.

Fremde Journalisten schwärmen zu konspirativen Treffen in die Berge aus. Das Resultat ist in den Fernsehnachrichten zu besichtigen: die UÇK in der Charme-Offensive. Gebügelte Uniformen, gebürstete Bärte, Tee mit soundbites für die Abgesandten des Westens. Auch an Logos ist gedacht: hier der Vierzackstern der Nato, da der Sternenkreis der EU, die Stars & Stripes der USA - und immer mittendrin der schwarze Doppeladler der UÇK auf rotem Grund.

Als triumphales Sprühbild prangt er sogar auf einem Spähpanzer, den die Kämpfer der glücklosen mazedonischen Armee abgenommen haben. Mehr als 300 abgegebene Tötungswerkzeuge dürfen Nato-Truppenführer am ersten Tag der Sammelaktion melden, "manches davon fast neu", die Erleichterung ist spürbar.

Bei diesem Ringelpiez postmoderner Medienkriegsführung scheint die mazedonische Führung hilf- und fassungslos im Abseits zu stehen. Stunden vor dem ersten Ausrücken der uniformierten Sammeltruppe wird noch hinter den Kulissen über die Menge der abzugebenden Waffen verhandelt. Die Frage "Geben sie denn auch wirklich alle ab?" trennt da schon die Novizen von den Routiniers auf den Nato-Pressekonferenzen: Jeder weiß, dass es nur darum geht, den Albanern eine einigermaßen glaubwürdige Geste abzupressen, die sie für alle sichtbar an den Friedensprozess bindet. Fast jeder. Innenminister Ljube Boskovski hat seine eigene Rechnung aufgemacht: 85 000 Stück müssen her, nicht eines weniger! Da haben es die Nato-Offiziere nicht schwer, der Regierung Realitätssinn abzusprechen. Mazedoniens Verteidigungsminister Vlado Buchkovski, von Diplomaten als besonnener Sozialdemokrat geschätzt, sagt dazu vorsichtig: "Die Zahl sieht übertrieben aus." Später schätzt er den Waffenbestand der Kämpfer auf um die 8000 Stück, was eher stimmen dürfte.

Sonderlich militärisch wirkt Buchkovski nicht, trotz seiner fast zwei Meter