Ein Apfel allein macht noch kein Newtonsches Gesetz, und bliebe er nach dem Sturz auch noch so nah am Stamm liegen. In der Forschung müssen viele Früchte fallen, denn eine ihrer wichtigsten Regeln lautet: Reproduzierbarkeit.

Aber was schert Feuilletonisten und Politiker solch hinderliches Regelwerk!

Für sie steht fest: Die Mitteilung der Düsseldorfer Ärzte, sie hätten einen Herzinfarktpatienten erfolgreich mit seinen eigenen Stammzellen therapiert, ist der ersehnte Beweis für die These: Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist überflüssig.

Die selbst ernannten Experten hätten genauer hinschauen sollen. Die Düsseldorfer haben nach eigenen Angaben einen "weltweit einmaligen Versuch" unternommen. Das bedeutet zunächst nur zweierlei: Die Forschungen an so genannten adulten Stammzellen sind in Deutschland weit vorangeschritten, die 18 Millionen Mark, mit denen das Bundesforschungsministerium seit Anfang 2000 diesen Bereich fördert, offensichtlich gut investiert. "Weltweit einmalig" heißt aber auch: Der Erfolg ist ein Einzelfall, und der beweist (siehe oben) in der Wissenschaft gar nichts. Es könne auch sein, dass sich ihr Patient ganz von selbst erholt habe, geben die Ärzte zu.

Wer aus einen Experiment forschungspolitische Maximen ableiten will, verletzt damit die wichtigste Maxime: Er hat die Prinzipien der Forschung nicht verstanden und verspielt mit vorschnellem Urteil die Glaubwürdigkeit beider Seiten, die der Wissenschaft wie die der Politik. Die eigentlichen Opfer aber sind die Patienten. Deren Hoffnungen sollte man auf dem ideologischen Schlachtfeld der Stammzelldebatte weder leichtfertig schüren noch voreilig zerstören.