"Make Love, not War"

Recht konsequent scheint sich unser Verteidigungsminister an die Parole aus den Zeiten des Vietnamkrieges zu halten. Das zumindest ist ein Bild, das in Teilen der Öffentlichkeit entstanden und ein Grund für Rücktrittsforderungen geworden ist. Wenn Radfahrer Rudi Scharping nun nicht auch detailliert auflisten kann, warum er mindestens 40 mal nach Frankfurt geflogen ist, dürfte er endgültig abheben. Aus seinem Amt.

"Am seidenen Faden" sieht die "Frankfurter Rundschau" Scharping zappeln. Der aber fühlt sich "unverändert ruhig und konzentriert". Die neuen Vorwürfe gegen ihn scheinen relativ mager zu sein. Am Geburtstag seiner Freundin Pilati sei er allein in der Luftwaffenmaschine von Berlin nach Frankfurt geflogen. Das dürfte wohl schon öfter vorgekommen sein. Immer noch ist Scharpings Liebes- und Flugaffäre beherrschendes Thema der großen Zeitungen in Deutschland. Eine gewisse Müdigkeit in der Berichterstattung stellt sich jedoch allmählich ein. Das stimmt die Kommentatoren einigermaßen milde. Selbst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" stellt dem Minister ein auf den ersten Blick relativ gutes Zeugnis aus - zumindest, was seine Arbeit als Minister betrifft. "Scharping mag ein guter Minister sein, ein ehemaliger Ministerpräsident bringt ja einige Erfahrung mit. Ein pflichtbewußter Minister war er schon damals nicht, als er während des Kosovo-Konflikts Urlaub machte". Die Zeitung scheint aber nicht mehr mit dem Rücktritt zu rechnen. Schröder habe inzwischen zu viele Chefs verschlissen und stehe ohne geeignetes Personal da. "Hat Schröder einen ernsthaften Nachfolger parat?" Der Berliner "Tagesspiegel" widmet sich erneut der Analyse des Phänomens "Scharping in love". "Scharpings Foto- und Flugaffäre ist die merkwürdigste Episode dieser Legislaturperiode". Er sei aus "ästhetischen Gründen an den Rand des Rücktritts geraten". Scharpings Planschbilder in der "Bunten", die der "Süddeutschen Zeitung" durch den nochmaligen Nachdruck des Illustriertentitels immerhin Farbe auf der Seite Zwei bescheren, veranlaßt den "Tagesspiegel"-Kommentator zur Feststellung, Scharping sei ungeeignet als TV-Unterhalter. "Wer auf Show setzt, muß Show können". Wird also wohl nichts mit einer großen Samstagabendsendung mit "Rudi Ratlos". Der der Welt doch immerhin bewiesen hat, dass es zur Zeit kaum etwas friedvolleres, als einen deutschen Verteidigungsminister gibt. Jens König von "der Tageszeitung" taxiert Scharpings Mallorca-Stipvisite inzwischen auf 100.000 Mark. "Ein liebestoller Minister wird das Opfer seiner eigenen Medieninszenierung". Das glaubten wir schon gewußt zu haben. Aber der taz-Kommentator betätigt sich gleich noch als Hilfspsychologe. Scharping sei der Minister, "der sie nicht mehr alle beisammen hat."

Da hilft nur noch der Chefkommentator der "Welt", der fast immer was Originelles auf der Textplatte hat. Zippert zappt zielgenau auf die mediale Übergewichtung des Scharping-Themas. "Tausende hoch dotierte und hoch qualifizierte Journalisten und Reporter beschäftigen sich seit Wochen nur noch mit diesem völlig uninteressanten Mann".

Waffenernte

Der merkwüdige Begriff der "Waffenernte" in Mazedonien macht weiter die Runde. "Neues Mandat für Mazedonien zeichnet sich ab" titelt die "Süddeutsche Zeitung" auf ihrer ersten Seite. Vertreter der EU, Russlands und der USA seien sich einig, auch nach dem Ende der 30-tägigen Nato-Mission zivile Beobachter in Mazedonien belassen zu wollen. Die "Frankfurter Allgemeine" legt das Augenmerk vor allem auf die in Skopje beschlossenen Verfassungsänderungen. Dabei klingt der FAZ-Ton manchmal hölzern wie einst das "Neue Deutschland": "Auch in den Hauptstädten des Westens sowie von den internationalen Vermittlern in dem Konflikt in Mazedonien wurde das Abstimmungsergebnis begrüßt." Zuvor hatte das Parlament in Skopje mit deutlich mehr als Zweidritteln die Besserstellung der albanischen Minderheit gesetzlich festgeschrieben. Nach diesem Schritt will die NATO nun mit dem Einsammeln des zweiten Drittels der UCK-Waffen beginnen. Bislang wurden erst 1200 Waffen "geerntet". Das "Handelsblatt" untersucht die wirtschaftliche Lage in Mazedonien. Das Land ist finanziell angeschlagen. Das Zahlungsbilanz-Defizit übersteige bereits die Marke von 100 Millionen Dollar. Laut "Handelsblatt" will die EU "unter anderem 30 Millionen Euro für den Wiederaufbau, die Verbesserung der Infrastruktur und für vertrauensbildende Maßnahmen" bereitstellen.

Geldvernichtung geht weiter