Wie niedrig der IQ derer ist, die für die heutigen Schlagzeilen verantwortlich sind, bleibt dagegen offen. Wieder einmal beherrschen die Folgen von Selbstmordattentaten in Nahost die Schlagzeilen der meisten Tageszeitungen. In den kommenden Tagen – da darf man sicher sein – werden sie von den Reaktionen Israels darauf abgelöst. "Bombenanschläge in Israel. Das Kabinett berät über Sicherheitszone", steht im Aufmacher der "Frankfurter Allgemeinen", "Anschläge erschüttern Israel", in der "Frankfurter Rundschau. "Terrorwelle erschüttert Israel", schreibt die "Welt" und die "Süddeutsche Zeitung" fasst zusammen: "Selbstmordanschläge versetzen Israel in Angst". Dahinter verblasst die Titel-Schlagzeile der "tageszeitung": "Schily wandert einsam", die des "Handelsblatt" sowieso: "Starker Euro nicht in Sicht".

Wieder Selbstmordanschläge in Israel

Eine Frage beschäftigt die Journalisten im Hinblick auf die Situation in Nahost derzeit hauptsächlich: Entwickelt sich die aktuelle Situation zum Krieg? "Am Ende aller Diplomatie" zu sein, glaubt die "Süddeutsche Zeitung": "Ob sich nun Jassir Arafat und Shimon Peres in dieser Woche treffen oder nicht – auf die Situation im Kampf zwischen Israelis und Palästinensern wird das kaum Einfluss haben", heißt es in einem Kommentar. Pessimistisch äußert sich auch Jacques Schuster in einem Text für die "Welt": "Israel hat sich verändert. Herrschte vor Monaten noch Optimismus, wohnen nun Enttäuschung, Trauer, ja tiefe Depression im Land". Dazu liefert der Autor auch gleich die Begründung: "Arafat hat die urjüdische Furcht vor der totalen Vernichtung geweckt. Mit jedem Anschlag werden die Araber wieder zu Menschen, die versuchen, Hitlers Werk zu vollenden". Dagegen stehe das "alte jüdische Empfinden, in Zeiten der Bedrohung einsam zu sein. Gegen solche Ängste helfen keine Verhandlungen, nur das Spiel mit den eigenen Muskeln", meint Schuster. Kaum optimistischer kommentiert Charles A. Landsmann im "Tagesspiegel": "Drei Treffen in schneller Folge hatte der ewige Optimist Peres geplant – und zwar in der Region, nicht in Europa. Doch eine solche Serie wäre nur möglich, wenn das erste Treffen bis Wochenmitte zu Stande kommt. In acht Tagen nämlich beginnt eine jüdische Feiertagsperiode mit Neujahr. Von da an wird Peres kaum Termine frei haben.

Jüdisches Museum in Berlin eröffnet

Während in Israel alle Zeichen auf Krieg stehen, übt sich Deutschland in Vergangenheitsbewältigung. Bundespräsident Rau eröffnete am gestrigen Sonntag das Jüdische Museum in Berlin. "Dementsprechend groß war das Gerangel um die Plätze an den Festtafeln", beschreibt ein Kommentar im "Tagesspiegel" die Szene und erinnert deshalb: "Wichtiger indessen ist, dass an der Reflexion der deutsch-jüdischen Geschichte und ihrer Katastrophe im NS-Völkermord die deutsche Politik stets gemessen werden wird: Hier ist der Ort wo Geschichte zur Anschauung wird – und zum konkreten Bezugspunkt heutigen Handelns." Lob für die Sinnhaftigkeit des Museums, das jüdisches Leben in Deutschland zeigt, das so noch nicht wieder existiert, äußert Martina Meister in einem Kommentar für die "Frankfurter Rundschau": "Das jüdische Museum versucht das Unerhörte: aus den Opfern der Geschichte wieder Subjekte der Geschichte zu machen."

Von einem neuen "Abschnitt der Erinnerungsarbeit" spricht gar Eckard Fuhr im Titelkommentar der "Welt": "Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was alles dieses Museum nicht ist und nicht sein will. Es ist kein Holocaust Museum, das deutsch-jüdische Geschichte nur als Vorgeschichte des Zivilisationsbruchs erzählt. Es ist kein jüdisches Heimatmuseum, das eine zerstörte Lebenswelt heraufbeschwört und ein Ort der Trauer, aber auch der Nostalgie sein könnte. Und es ist auch kein Mahnmal, das mit musealen Mitteln Gedenken inszeniert." Soweit zu der Frage, was das Museum nicht ist. Der Autor gibt dem Museum aber auch einen guten Wunsch mit auf den Weg: "Es kann zum Ort einer vielfältigen Geschichtskultur werden, die jetzt wachsen muss, weil die 'Geschichtsaufarbeitung' zur klappernden Routine zu werden droht". Bleibt zu hoffen, dass die künftigen Besucher des Museums das Gebäude nicht nur beeindruckt, sondern auch belehrt wieder verlassen.

Michael wird zu Minelli