Vogt: Mein Informationsstand ist, dass er nach Mazedonien fliegen wird und dort den Truppenbesuch macht. Natürlich ist in der Fraktion auch ein bisschen Unmut vorhanden und es gibt Kolleginnen und Kollegen, die etwas verärgert sind, aber ich habe bis jetzt noch nicht gehört, dass aus der Reihe der SPD irgendeine Forderung nach Rücktritt gekommen wäre, weil wir ja schon unterscheiden müssen. Es geht hier schon um Dinge, die nichts unmittelbar mit seiner Amtsführung zu tun haben. Ich finde es auch ein bisschen schade, dass man gerade bei Ministern nicht unbedingt die politische Arbeit in den Vordergrund stellt, sondern dass die Dinge, die sich außen herum bewegen, so im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Ich kann noch keine Prognose geben, aber ich gehe eher davon aus, dass er in Mazedonien sein wird.

Zagatta: Das Politische und das Umfeld kann man wahrscheinlich gar nicht so unterscheiden. Die ersten Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei gibt es im Prinzip aber schon. Da hat beispielsweise der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Wiefelspütz gesagt, Scharping habe keine Zukunft mehr und er werde dem Druck spätestens beim SPD-Parteitag im November weichen müssen. Das das nicht schon das Ende des Ministers?

Vogt: Ich muss sagen, ich mag nicht öffentlich darüber richten, weil ich finde es auch nicht angebracht, dass man auf solche Weise die eigenen Leute kommentiert. Man muss das dann im direkten Gespräch machen, aber es ist nicht angebracht, gegenseitig öffentlich über sich zu reden. Deshalb würde ich mich daran auch nicht beteiligen wollen.

Zagatta: Wollen Sie das Thema heute ansprechen? Wollen Sie Scharping zur Rede stellen?

Vogt: Ich glaube, dass es gar nicht notwendig sein wird, dass egal welcher Abgeordnete aus der Fraktion direkt etwas sagt, sondern es wird automatisch ein Thema sein, über das wir reden werden. De braucht es nicht noch mal einen Vorstoß einer Einzelperson.

Zagatta: Hat denn die Fraktion dort überhaupt Einfluss oder ist das eine Sache, die Scharping und der Kanzler unter sich ausmachen?

Vogt: Die Fraktion hat dort sicherlich nicht die Möglichkeit, in irgendeiner Weise abzustimmen, aber die Stimmung in der Fraktion wird schon Ausschlag dafür geben und es wird entscheidend sein, wie die Kolleginnen und Kollegen das werten, aber auch entscheidend sein, welche Form der Erklärungen und Erläuterungen es gibt. Dies können wir aber erst sagen, wenn die Fraktionssitzung begonnen hat.