Scheel: Es muss gehen, denn wir müssen natürlich sehen, dass wir einen soliden Haushalt vorlegen, der auch Bestand hat, der auch in der Finanzplanung bis zum Jahr 2005 umgesetzt werden kann. Da muss man natürlich sehen, was ist machbar und was ist nicht machbar. Die Spielräume, die wir haben, haben wir genutzt. Es gibt Mehrausgaben in verschiedenen Bereichen, im Bildungs-, im Forschungsbereich, auch im Bereich Arbeit und Soziales, und wir haben es endlich geschafft, den Subventionsabbau weiter voranzutreiben.

Remme: Aber bisher nutzt es nichts, denn die Konjunkturdaten zeigen nach unten?

Scheel: Es ist natürlich richtig, dass die Situation in diesem Jahr bislang nicht sehr schön war. Wir müssen allerdings auch sehen, dass die Inflationsrate zurückgegangen ist. Dies bedeutet, dass die Kaufkraft auch steigt und dass wir, was die Binnenkonjunktur betrifft, hier einen Anzug haben, also eine positive Entwicklung, die sich jetzt im dritten Quartal langsam zeigt und im vierten Quartal mit Sicherheit weiter anziehen wird.

Remme: Sie zeigt sich, sagen Sie. Da werden sicherlich viele interessiert aufmerken. Machen Sie das noch an konkreten Daten fest?

Scheel: Es ist natürlich so, dass wir uns an der Inflationsrate orientieren und dass wir feststellen, auf Grund von Untersuchungen, die gemacht werden von Wirtschaftsinstituten, aber auch von den zuständigen Ministerien, Finanzen und Wirtschaft, dass die Leute doch nicht so viel Geld zurücklegen, so viel sparen, wie man das vor einigen Wochen noch dachte, sondern dass wieder mehr ausgegeben wird. Das ist natürlich gut für die Nachfrage.

Remme: Frau Scheel, es ist ja der Haushalt für das Wahljahr. Mit wie vielen Arbeitslosen rechnet die Bundesregierung denn inzwischen für 2002?

Scheel: Es ist natürlich eine unschöne Situation, dass wir das Ziel, das der Bundeskanzler ja vorgegeben hat, die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Millionen zu senken - das sind ja eigentlich immer noch 3,5 Millionen zu viel -, noch nicht umgesetzt werden konnte. Wir haben immer noch eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent. Wir haben 3,7 Millionen Menschen, die arbeitslos sind. Wir meinen von grüner Seite ausgehend, dass wir die Instrumente zu einer Modernisierung auf dem Arbeitsmarkt verbessern müssen.