Nehmen wir ein Beispiel. Noch am berühmten Samstag vor der gesamtdeutschen Niederlage gegen England triumphierte Bild: "Bye, bye, England! Wir fahren zur WM und ihr bleibt hier." Franz Beckenbauer prophezeite: "Hurra, wir gewinnen 5 : 4." Rudi "Riese" Völler: "Wir sind Herr im Haus. Und so treten wir auch auf." Sebastian Deisler: "Wir werden auch diesmal gewinnen." Carsten Jancker: "Auf dem Platz werde ich explodieren wie ein Vulkan." Und alle zusammen: "Wenn's drauf ankam, haben wir immer gewonnen."

Bekanntlich ist es anders gekommen. Die Engländer haben fünf Tore geschossen, während die Deutschen fünf Tore kassierten. Schlichte Gemüter sagen: Bild hat sich geirrt. "Superpeinlich." Nun, solch Spott ist menschlich verständlich, evolutionär betrachtet aber falsch. Weil die Evolution bekanntlich alles umfasst, auch den fundamentalen Irrtum, war die Vorhersage, Deutschland würde gewinnen, evolutionär gesehen ebenso richtig wie das Gegenteil, auch wenn evolutionär rückständige Engländer das heute anders sehen.

Falsch ist auch die Annahme, Deutschland habe das Länderspiel verloren. Dies ist vordergründig richtig, evolutionär gesehen wiederum falsch. Denn das Wesen der Evolution besteht bekanntlich in der vollkommenen Selbstverbergung ihrer Wahrheit, von der man rein gar nichts sieht, höchstens das Gegenteil. Was dem Menschen als Sieg erscheint, verwandelt sich in den Augen der Evolution zur Katastrophe; und große Niederlagen entpuppen sich im natürlichen Verlauf der Weltgeschichte als großartige Siege. Denn die Evolution ist ein Lernprozess, bei dem die Unterlegenen mehr lernen dürfen als die Sieger, worauf diese irgendwann das Ballspiel verlernen und verdient untergehen. Das hat unser Franzi verstanden. "Deutschland ist ein Team auf dem Weg nach oben!" Oder für Engländer: "Hurra, wir gewinnen!"