Was hatte Carly Fiorina da vor zwei Jahren erzählt? Hewlett-Packard (HP), der behäbig gewordene Hersteller von Computern, Druckern und allerlei Zubehör, solle "zurück in die Garage". Frischer Schwung und mehr Beweglichkeit solle her - wie in der New Economy. Doch jetzt, in der Nacht zum Dienstag, trat die HP-Chefin vor die Öffentlichkeit und präsentierte die älteste Idee der Welt als Konzept für die Zukunft: eine Elefantenhochzeit.

Die Nummer zwei am Weltmarkt für Computer (nach Umsätzen) kauft die Nummer drei, Compaq. Fiorina bezahlt mit Aktien im Wert von 25Milliarden Dollar, und man kann sich die Größe des vereinten Konzerns ausrechnen: Im vergangenen Jahr haben die beiden Unternehmen gemeinsam mehr umgesetzt als der Marktführer IBM (siehe Grafik). Doch während IBM auch 2001 wächst, schrumpfen die beiden Konkurrenten und fallen gemeinsam wieder auf Platz zwei zurück.

Wenn sie schon nicht wachsen, wollen sie wenigstens schlanker werden. "Kostenersparnis ist das einzige sachliche Argument für die Fusion", sagt Steve Brazier, Marktforscher für Informationstechnik bei Canalys in London. 2,5 Milliarden Dollar soll die Diät jährlich bringen, und Überflüssiges gibt es genug, weil sich viele Geschäftsbereiche ähneln - mit Entlassungen ist zu rechnen.

Die Kartellbehörden diesseits und jenseits des Atlantiks runzeln die Stirn und werden wohl ein paar Auflagen erteilen - doch all das ist üblich bei Nachrichten über Großfusionen. Bloß die Reaktion an den Finanzmärkten erscheint ungewohnt. Statt des vertrauten Jubels über Megamerger fragen sich Börsenbroker und Branchenexperten: Will das wirklich jemand? Wohin soll das führen?

Die HP-Chefin Fiorina und ihr Compaq-Gegenpart Michael Capellas wissen selbst am besten, dass der Zusammenbau von Computern und Zubehör im Moment nicht viel Freude macht. Beide haben zuletzt ihre Anleger mit der Aussicht auf niedrigere Gewinne erschreckt, beide kürzen massenhaft Stellen (Compaq 8500 und HP 9000), HP setzte einen "freiwilligen" Gehaltsverzicht um zehn Prozent durch. Sie wissen, warum: Im zweiten Quartal 2001 ist zum ersten Mal seit 15 Jahren der weltweite Computerverkauf zurückgegangen. Und ausgerechnet in diesem schrumpfenden Markt heizen Leute wie Michael Dell den Preiskampf an: Der Großhersteller von Computern drückt die Konkurrenz an die Wand. Er kann nun seine relativen Kostenvorteile noch besser ausspielen: Seit jeher setzt er auf Direktverkauf und Just-in-Time-Fertigung - und nutzt die Flaute zum Erobern neuer Marktanteile.

Was hingegen nicht mehr funktioniert - zumindest im Moment -, ist ein bewährtes Spielchen der Computerbranche: dass Softwarehersteller wie Microsoft neue Programmversionen mit zusätzlichen, rechenintensiven Funktionen herausbringen - und dass dann alle Benutzer neue Hardware brauchen, um diese Programme überhaupt gebrauchen zu können. Jetzt sind selbst die billigen Computer schon extrem leistungsfähig. Wozu dann neue kaufen, erst recht in Zeiten wirtschaftlicher Flaute?

Compaq und HP sehen dieses Problem schon länger kommen; es ist ihnen nur nicht gelungen, der Falle zu entgehen. Kein Wunder also, dass man den Sommer über eifrig über einen Rauswurf von Fiorina spekulierte. Sie sah den Ausweg in lukrativen "Services": Wartung, Beratung rund um den Computer und die Pflege kniffliger Unternehmensnetzwerke. Compaq kündigte erst im Sommer eine ähnliche Initiative an. Doch der Erfolg ist mäßig: HP verdiente zuletzt nur gut 83 Prozent seines Umsatzes mit Hardware, bei Compaq sind es 84Prozent. Denn der Beratungsmarkt ist selbst hart umkämpft: IBM erwirtschaftet inzwischen rund 40Prozent seines Umsatzes damit und tritt gegen globale Unternehmensberater wie Accenture an. Konsequenterweise wollte Carly Fiorina im vergangenen Jahr den IT-Beratungszweig von PricewaterhouseCoopers kaufen - aber diese Verhandlungen platzten.