Schrat - eine Geschichte, angesiedelt zwischen alten Mythen, Science-Fiction und Alltagserzählung. Schrat - das ist ein von Barbara Treskatis gezeichneter Wichtel, der in ausdrucksvoller, tänzerischer Körpersprache über die Bildseiten des Buches hüpft und springt. Dass die Illustratorin Theatererfahrungen hat, merkt man der kleinen Figur in jeder Pose an. Ob Umrisslinie oder plastische Körpermodellierung: in den Zeichnungen steckt ein großes Gespür für Proportionen, für das Gestische und Szenische. Bühne frei für laute und leise Auftritte, für Spaß und Komik, für Kostüm und Verkleidung!

Zu Anfang lebt Schrat in mythischen Kulissen, "ganz tief in den Wäldern". Das erste Bühnenbild: eine stimmungsvolle Landschaft, ein romantisches Zitat von expressiver Kraft. Auf Geheiß der alten Schrate begibt sich der kleine Wichtel in die Welt der Menschen. "Menschen? Was soll mir da wohl gefallen?" Doch Schrat landet bei zwei Kindern, Zwillingen, die das fremde Wesen zunächst bestaunen, dann aber Freundschaft mit ihm schließen. Wie auf der Theaterbühne führen uns die drei ihre Lust am gegenseitigen Entdecken, am Spiel und Krachmachen vor Augen. Für Schrat ist vieles neu, "Kunst machen" zum Beispiel, und mit Feuereifer verarbeitet er Vaters Versicherungsunterlagen zur Collage. Da er aber für Erwachsene unsichtbar ist, kommt er mit dem Schrecken davon. Die Figur des Schrats ist der Zeichnerin offensichtlich näher als die Kinderfiguren, die bei diesen Auftritten eigenartig hölzern bleiben.

Am Ende muss Schrat die Welt der Menschen wieder verlassen. Zurück lässt er zwei Kinder, die viel von ihm gelernt haben und nun mit ihrem Geheimnis leben. Ein unterhaltsames Bilderbuch, das zeichnerisch gegen den Strom schwimmt, dessen Erzählung sich jedoch in vielfältige Traditionen der Kinderliteratur einfügt.

Barbara Treskatis:Schrat. Aufbau-Verlag, Berlin 2001; 60 S., 39,90 DM