"Für das Bild müsste ich erst ein Bügeleisen holen", sagt Goofy zu einem Dalí. Wie beruhigend, auch in Entenhausen gibt es offenbar Kunstbanausen. Die Affinität moderner Kunst zum Comic ist seit Roy Liechtenstein, Andy Warhol und Öyvind Fahlström bekannt, von einer wechselseitigen Befruchtung war bisher weniger die Rede. Die Ausstellung Berühmte Gemälde aus Entenhausener Privatbesitz (bis zum 12. September, Künstlerdorf Schöppingen, nahe Münster) holt dies nach mit Daniel Düsentriebs Elektronenmaler und Oma Ducks malendem Pferd. Nun wissen wir endlich, wo die echte Avantgarde wütet - in Disneyland. Wie spannungsreich die Komposition, wie kühn das Farbrepertoire, wie energetisch geladen die Setzung! Das Geheimnis des bewunderten Gelb-Rot-Grün-Malers löst sich erst auf, als seine Vorlage erleuchtet: ein karierter Lampenschirmbezug. Die Dollarzeichen hat Dagobert Duck nicht nur im Blick, sondern an der Wand mit seinem seriell arbeitenden Taler-Maler. Von der "hintergründigen" Dekoware bis zur integrierten Performance-Handlung: Anhand originaler Comics oder nachgemalter Bilder aus dem Duckschen Kunstkosmos spielt die Ausstellung durch, was Kunst leisten - und vor allem was die Kunstkritik so alles verkleistern muss und kann. Ein kleiner Gag am Rande also, der - ganz nebenher - die nicht selten nebulöse Kunstkritik mit ihren rhetorischen Topoi und durchgenudelten Sprachklischees zur Selbstkritik anhalten möchte. Ufff! Zwischen Sprechblasen und Worthülsen liegen manchmal nur ein paar Buchstaben mehr. Kathrin Luz

Räume definieren Leben. Und umgekehrt. Allein ihre Nennung gibt unserer Fantasie einen Kick. Chambre séparée. Rittersaal. Esszimmer. Lounge. Boudoir. Herrenzimmer. Ja, und Blaubarts mörderisches Depot. Giovannis Zimmer, in dem nachts Dinge geschahen, die nicht hätten geschehen dürfen. Die Küche von Shirley Valentine, in der sie Chips and Eggs brutzelte und ihre Einsamkeit verscheuchte, indem sie mit der Wand sprach. Für die Ausstellung Ein Raum ist eine Welt in der Kunsthalle Zürich (bis zum 21. Oktober) wurden sechs Räume aufgebaut. Manche riechen nach frischer Farbe. Einer nach alten Kleidern. Aber vor allem riechen sie nach Abwesenheit von Leben und Lust. Außer jenem von Georges Adéagbo, Künstler aus Benin. Er hat in seiner Koje ausgebreitet, was ihm an Mitteilenswertem in Zürich und sonstwo in die Hände gefallen war. Seine Welt aus Appellen und Zeichen. Eine Flut aus Bildern, Tafeln, Flaschen, LP-Hüllen, Zeitungsfetzen. "Schnell Bargeld? - Klicken Sie auf www.flexi.ch!!" - "Herzlichst Walter Roderer". Und an allen strategischen Orten stützen Holzskulpturen aus Benin das afrikanische Raumkonstrukt. Auch einen verschlossenen Raum gibt es. "Kein Zutritt" steht dran. Wer die Türe öffnet wie Blaubarts neugierige Frau, der steht in der - Administration. René Ammann

Er machte Swatch, Alessi und Alchimia groß - und die abertausend Pünktchen in seinen berühmten pointillistischen Musterentwürfen möglichst klein: Alessandro Mendini, Designer, Architekt, Künstler, Journalist und Theoretiker all dieser Branchen. Das Westfälische Landesmuseum in Münster ehrt nun den 70-Jährigen mit einer großen Werkschau (bis zum 21. Oktober). Vom konfettibunten Fernsehsessel über die heiteren Konsumtempel der Swatch-Shops bis zum postmodernistisch verspielten Groninger Museum: Mendinis Modelle feiern ein Fest des Dekors und laden den Kitsch ein zu glanzvollen Auftritten, denn der galt dem Maestro als das einzig repräsentative Äquivalent unserer bürgerlichen Gesellschaft. Ein Denker im Designerpelz also, dem als Redakteur von Casabella, Modo und domus die Rhetorik als Sprachdesign von Anfang an vertraut war. Neben all den Sitzmöbeln, Korkenziehern und Wasserkesseln reizt die Ausstellung vor allem durch den vergleichenden Blick auf die Architektur. Der Optimismus der Postmoderne, ihre eklektizistische Bauklötzchen-Ästhetik, die das Modulprinzip industrieller Fertigung zum Stilprinzip erhob, um es endgültig zu überwinden, ist heute längst dem Trivialen gewichen. Vorbei die Idee, dass man sich mit Stilen ganz locker auch Welt aneignen konnte. Was auch immer Mendini in Sachen Architektur, Kunst und Design angerichtet hat - einrichten möchte man sich so eigentlich nicht. Aber wer so denkt, hat nichts verstanden.