BELLETRISTIK

Colum McCann:Wie alles in diesem Land. Storys; a. d. Englischen von Dirk van Gunsteren und Matthias Müller; Rowohlt, Reinbek 2001; 156 S., 39,90 DM

Wer Wut im Bauch hat, hört den Hunger nicht knurren. Die Helden dieser beklemmend spröden Irland-Bilder haben so viel Trauer und Hass in sich hineingefressen, dass sie an Unversöhnlichkeit ersticken. Alles Gute ein Grund zu misstrauen, jede Freude getrübt von Scham. Einfühlsame, bittere Nahaufnahme einer Bürgerkriegsgeneration, die nach Rache schreit und gleichzeitig um Hilfe ruft.

Hermann Schießel:Die Arche Olaf. autobiografischer Roman; Zinke Verlag, Tutzing 2001; 223 S., 34,80 DM

Wo Schmalhans Küchenmeister ist, gefällt die hübscheste Ente nur als Sonntagsbraten. Hier erzählt einer, wie das Märchen von der Weihnachtsgans Auguste wahr wird, Ostern 1918. Wie Großmutter ihre Strumpflöcher zumalt. Wie weit die Kraft der Schwachen reicht und wie oft ein Kriegskind Federn lassen muss.

Pjotr Aleschkowski:Stargorod; Erzählungen; aus dem Russischen von Alfred Frank; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001; 134 S., 12,90 DM

Die Armen müssen springen, wie die Reichen pfeifen, sagt das deutsche Sprichwort, aber im russischen Märchen wissen die armen Schlucker, wie man dem Schicksal auf dem Kopf tanzt. Die neuesten Nachrichten aus Stargorod zehren vom Mutterwitz Iwanuschkas und von der Ausgelassenheit der fetten Jahre, die man hier nur vom Hörensagen und aus Moskau kennt.