Wo wir schon über Rituale reden, mein schönstes ist mir seit Saisonbeginn abhanden gekommen: Freitagabend Bundesliga. Flutlichtspiele am Millerntor! St. Pauli steht jetzt im Schatten. Ohne Flutlicht kann der FC St. Pauli nicht in der Bundesliga bestehen. Das Kunstlicht hält die fußballerische Begrenzung verborgen. Bei Tageslicht wirkt Paulis Zauber nicht. Spiele im Glanz des gleißenden Lichts, am besten bei Regen, wenn dieser sich wie eine riesige Wunderkerze ins Stadioninnere ergießt. So muss es bei der Fußballgeburt gewesen sein! Die Schöpfungsgeschichte zwischen Ball, Rasen und Spieler! Am Anfang war das Licht, das Flutlicht. Und jetzt: abgeschaltet, ausgeknipst.

Und stellen Sie sich erst die neue Arena auf Schalke vor: ein Soundteppich wie in der besten Disco. Lichtspiele im blau-weißen Fahnenmeer. Vorbei! Die Arena für Fußball freitagabends geschlossen. Die Bundesliga ein durchgehender Karfreitag. Lieber Fußballgott - gib uns die Flutlichtspiele zurück!

Geopfert wurden auch die Zuschauer im ran-Studio. Dies ist aber richtig, denn die saßen nur noch dort, um die Werbeblöcke an- und abzuklatschen. Vor zehn Jahren waren Studiozuschauer in einer Sportsendung tabu, lästiges Beiwerk. Heute aber sitzen sie in jeder trashigen Talkrunde. Warum also noch bei ran?

Ich bekenne, mehr noch, ich bereue! Wir haben sie gelockt mit Brezeln und Beck's, und sie kamen in Scharen. Zu besten ran-Zeiten gab es Wartelisten bis zu zwei Jahren. Der Erfolg machte uns blind. Und dann hoben wir ab und holten die Showtreppe aus dem Fundus und stiegen aus dem Moderatorenhimmel hinunter in die Niederungen des Studiovolkes. Steilvorlage für das Feuilleton. Verdientes Backenfutter für uns, die Showtreppe flog raus. Und jetzt? Ran hat Premiere und ist fast wieder bei der guten alten Sportschau angekommen. Der Kreis schließt sich - nicht ganz. Bitte nehmt den Freitagabend wieder ins Programm, bringt endlich wieder Licht ins Dunkel! Erst dann ist das Wochenende gerettet.