Für die Araberinnen gehört die Henna-Bemalung zum Schönheitsprogramm wie für uns Lidstrich und Lippenstift. Klar, denkt eine Ungläubige wie du: Wo aus religiösen Gründen meistens Haut und Haare bedeckt bleiben, soll wenigstens das Wenige, was noch rausguckt, so richtig auffallen. Ganz so profan ist die Sache aber nicht: Die Henna-Färbung gehört seit über 2000 Jahren in der arabischen Welt zur Tradition. Sogar Kleopatra soll sich schon mit den gemahlenen Blättern und Wurzeln des Lawsonia-Strauches ihre Fingernägel gefärbt haben. Ob's Antonius gefallen hat? Vielleicht hat die Pharaonin ihm sogar erzählt, dass die Pflanzenfarbe ihre Trägerinnen besonders fruchtbar macht? Eine orientalische Braut geht jedenfalls niemals ohne Kinderkriegsbemalung in die Hochzeitsnacht. Aber keine Angst: Bei uns in Europa macht Henna nur schön und nicht schwanger.

Spätestens seit Popkönigin Madonna 1998 unserem Wettkönig Thomas Gottschalk vor der ganzen Fernsehnation artig eine Henna-Hand gab, hat die Pigmentpaste hierzulande eine kleine Modewelle ausgelöst. Und auf der schwimmst du jetzt mit.

Das Papiertütchen mit dem Pulver habe ich für dich auf dem Markt von Benghazi gefunden. Es ist schwarzes Henna, aus dem Sudan, sieht nicht so lehmig aus wie das Zeug, das sich nasengepiercte Abiturientinnen als Ausdruck von Multikulti auf die Haut malen. Auf der Rückseite der Tüte ist eine Malanleitung: Hände und Füße mit Öl einreiben, schwarze Tunke anrühren, vorsichtig mit einer Spritze auftragen. Aber ohne Nadel. Das hat der Hersteller extra fett gedruckt. Bei korrekter Anwendung ist die Malerei nach drei Wochen verblasst. Oder wie wär's mal mit einem Henna-Schopf? Nur Mut!