"Aktienkurse brechen weltweit ein", titelt heute die "Süddeutsche Zeitung", "Rezessionsangst: Chaos an den Börsen", emotionalisiert die "Welt". Das "Handelsblatt" weiß, wem die Angst in Deutschland am stärksten zusetzt: "T-Akte hält Anleger in Atem", steht über dem Aufmacher.

Das zweite große Thema ist das politische Schicksal des größten Bademeisters, den die Welt je gesehen hat. "Scharping: 349 Flüge - alle korrekt", titelt der "Tagesspiegel" staatstragend. "SPD sieht Scharping gestärkt", schlussfolgert die "Frankfurter Rundschau". Die Schlagzeile der "tagesszeitung" kommt vergleichsweise bescheiden daher: "Scharping fliegt weiter" steht in fetten Lettern auf der Eins. Den Mangel an Originalität macht der dazugehörige Artikel wett: Zwischen den Textzeilen findet sich die gezeichnete Bastelanleitung für einen Papierflieger mit der schönen Aufschrift "AirPilati".

Allein die "Frankfurter Allgemeine" mag heute nichts von Börsen und Bademeistern wissen und wendet den Blick nach Weißrussland: "Lukaschenka feiert einen ‚eleganten Sieg'", lautet die Headline. Direkt darunter findet sich die Meldung über einen etwas glaubhafteren Wahlausgang: "CDU gewinnt Kommunalwahl in Niedersachsen".

Scharpings private Manöver

Scharping wies gestern vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages nach, dass sämtliche Flüge seit seinem Amtsantritt rechtlich vertretbar sind. Außerdem gab ihm der Kanzler erneut politische Rückendeckung. Scharping muss also nicht zurücktreten - sollte es nach Meinung der Kommentatoren aber. Selbst die "tageszeitung" ist der Meinung, dass der Mann die Würde seines Amtes zu tief verletzt habe. Bettina Gaus schreibt: "Die Steuerzahler müssen keine Sehnsüchte erfüllen. Wenn Scharping glauben machen will, sein sprunghaft gestiegenes Interesse am Wahlkreis habe nichts mit dem Wohnort seiner neuen Freundin zu tun, dann beleidigt er die Intelligenz der Bevölkerung. Das ist schlechtes Benehmen. Deshalb muss er zurücktreten." Doch das wird nicht geschehen, wie der Kommentator der "Frankfurter Allgemeinen" weiß: "Die Koalition will nicht in den Geruch kommen, sie opfere eilfertig einen Minister, wenn er von der Opposition unter Beschuss genommen wird. Der Kanzler scheut davor zurück, die Liste freiwillig oder zwangsweise abgetretener Regierungsmitglieder um einen Posten zu verlängern. Er will sich auch nicht dem Verdacht aussetzen, er schalte mit Scharping einen weiteren persönlichen Rivalen aus." Doch was für eine Rolle kann der angeschlagene Scharping künftig noch spielen? "Falls Scharping tatsächlich politisch überlebt, dann als Holzkasper, der von der ruhigen Hand des Kanzlers baumelt," kommentiert Robert von Rimscha im "Tagesspiegel". "Rückhalt? Keiner. Sein Amt? Ein Gnadenakt des Kanzlers. Die Partei? Vom Ex-Chef genervt. Das ist, was bleibt. Politik lässt sich so nicht gestalten." Scharping wird heute einen besonders starken Kaffee brauchen, wenn er die Zeitungen liest.

Gute Wahlen, schlechte Wahlen

Kopfschütteln löst heute auch die Präsidentschaftswahl in Weißrussland aus. Nach dem offiziellen Endergebnis entfielen auf den autoritären Amtsinhaber Lukaschenko 75,6 Prozent der Stimmen, sein populärer Herausforderer Gontscharik soll nur 15,4 Prozent erhalten haben. Da die Wahl offenkundig derb manipuliert wurde, haben diese Zahlen allerdings dasselbe politische Gewicht wie Maßangaben in Kochrezepten. Die Kommentare zur Wahl klingen ausnahmslos etwas matt: Ja, es war Betrug, nein, man dürfe Weißrussland nicht politisch isolieren, sicherlich, die demokratische Opposition müsse gestärkt werden.