America under attack

Unter diesen Titel hatte gestern der TV-Sender CNN seine Berichterstattung gesetzt. "Angriff auf Amerika" titelt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und hat erstmals in ihrer Geschichte gleich zwei riesige Fotos auf der Titelseite, die die beiden brennenden WTC-Türme und einen um Fassung ringenden US-Präsidenten Bush zeigen. Auch weitere drei Seiten und die Schlagzeilen des Wirtschafts- und Finanzteils der FAZ haben den Terroranschlag zum Thema. Auf Seite 1 ist der Kommentar von Klaus-Dieter Frankenberger mit "Ins Herz" überschrieben: (...) "Wer sind die Täter? Wer steckt dahinter? Wer rechnet auf Gewinn, während er, vielleicht Tausende Kilometer entfernt, in einem amerikanischen Sender das terroristische Erdbeben im Herzen des mächtigsten Staates der Erde verfolgt? (...) Amerikanische Regierungsstellen haben seit einiger Zeit gewusst, dass sich etwas zusammenbraut. Sie haben den Nahen und Mittleren Osten in den Blick genommen, jenen Raum, in dem in den letzten Wochen und Monaten die Stimmung gegen Amerika hochgeschlagen ist. Im Visier ist der Islamist Ibn Ladin. Ob er dahintersteckt, weiß man noch nicht. Gewiss ist nur: Der High-Tech-Terrorismus ist kein Spezialfach für die Kriminalistik oder für Thriller-Autoren. Es gibt ihn wirklich, als Mittel des Krieges im 21. Jahrhundert."

"Terror-Krieg gegen Amerika" titelt die "Süddeutsche Zeitung" und setzt zwei Farbfotos der brennenden Türme und des Pentagon darunter. Im "Streiflicht" daneben heißt es: "Ob so schnell noch jemand einen Horrorfilm wird drehen wollen? (...) Immer neue, immer schrecklichere Katastrophen hat sich Hollywood ausgedacht: "Godzilla" hießen dann die Erfolgsfilme, "Mars Attack" oder "Independence Day", und immer waren es Monster oder Grauen erregende Nicht-Menschen aus dem Weltall, die New York zerstörten und Amerika in die Knie zwingen wollten. Und nun wissen wir, dass wir keine Marsmenschen, keine Monster mehr brauchen: Wir haben ja die Menschen dafür." Im Leitartikel "Amerika im Krieg" von Stefan Kornelius heißt es in der SZ: (...) "Die explodierenden Flugzeuge werden ihre zerstörerische Kraft in alle Bereiche der Gesellschaft in den USA tragen. Sie werden in ihren Ausläufern auch Europa treffen, das sich ebenfalls auf eine neue Dimension des Terrors einstellen muss. (...) Vorstellbar ist, dass sich Amerika noch weiter zurückziehen wird von den Ereignissen dieser Welt, dass der im Land allemal vorhandene Hang zum Isolationismus zu einer wirklich substantiellen Verschiebung auch der politischen Gewichte auf dem Globus führt."

"Verheerende Terrorserie erschüttert die USA", schreibt die "Frankfurter Rundschau" und widmet dem Thema vier Seiten. Im Kommentar ("Die Kriegserklärung") von Jochen Siemens steht: (...) "Die Folgen dieses 11. September werden ebenso gravierend wie unüberschaubar sein. Die westliche und Weltwirtschaft erhalten zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt einen schweren, vor allem psychologischen Schlag. (...) Die USA werden militärisch reagieren. Ein Straffeldzug, und wenn er um den halben Globus geführt werden muss, erscheint wahrscheinlich. Rüstungsprogramme werden hochgefahren werden. Die Welt wird kälter, kriegerischer werden." Die FR weist in ihrem Lokalteil zudem auf die Auswirkungen auf Frankfurt hin: Chaos am Flughafen, Räumung der Börse nach einer Bombendrohung, Absage der Eröffnungsfeier zur Internationalen Automobilausstellung (IAA).

Auch der Berliner "Tagesspiegel" geht auf die Auswirkungen in der Hauptstadt ein, wo ein zusätzlicher Schutz für die US-Botschaft und Bundeseinrichtungen angeordnet und das gerade feierlich eröffnete Jüdische Museum geschlossen worden ist. Auch hier beherrschen zwei große Farbfotos und die Schlagzeile "Angriff auf Amerika" die Titelseite und fünf weitere. "Das ist wie Krieg", überschreibt Gerd Appenzeller seinen Kommentar: "Das ist ein Krieg, und es ist ein Krieg gegen die zivilisierte Welt. Amerika leidet unter Terroranschlägen unvorstellbaren Ausmaßes, aber mit den Amerikanern leiden Menschen auf der ganzen Erde. Diese Anschläge werden die Welt verändern. Wenig wird so sein wie vorher. (...) Über die Raketenabwehr im Weltall, über National Missile Defense, wird nicht mehr diskutiert werden. Es wird gebaut."

"Terrorangriff auf das Herz Amerikas" titelt die "Welt" und lässt sechs Seiten (darunter eine komplette Meinungsseite) mit vielen Fotos, auch in Farbe, folgen. "Pearl Harbor im Jahr 2001", lautet der Kommentar von Jacques Schuster auf Seite eins: "Pearl Harbor, die Kuba-Krise, Vietnam - kaum etwas reicht an das heran, was gestern in Amerika auf derart entsetzliche Weise geschehen ist. (...) Wie kein anderes Gebäude auf dem nordamerikanischen Kontinent symbolisieren diese beiden Türme den American Way of Life. Mehr als das: Sie sind Sinnbild der Moderne, Metapher für den Wohlstand, Chiffre für die Stärke der amerikanischen Nation, ja Zeichen der westlichen Zivilisation schlechthin."

Das "Handelsblatt" räumt dem Thema fünf Seiten ein und titelt "Angriff auf Amerika" samt dreier Farbfotos der brennenden Türme. "Blutiger Dienstag", lautet der Kommentar von Terence Roth: (...) "Aber bisher handelte es sich bei allen Terroranschlägen um Einzelaktionen. Gestern war erstmals ein Staat einem breit angelegten Terrorangriff ausgesetzt, der praktisch das gesamte Land gelähmt hat. (...) Die erste Reaktion in den USA, aber auch im Ausland war Angst. Angst, wo und wann die Terroristen das nächste Mal zuschlagen. Angst, dass an den Finanzmärkten eine Panik ausbrechen könnte." Die ist nicht ganz unbegründet: Die Aktienkurse sind weltweit eingebrochen.