Was nun die Innenausstattung der Bundesrepublik Deutschland angeht, so wurde sie vor 50 Jahren, also zwei Jahre nach ihrer Gründung, so ziemlich vervollständigt – und zwar um einen wirksamen und einen würdigen Teil. In diesen Tagen feiert sowohl das Bundesverfassungsgericht den 50. Jahrestag seines effektiven Judizierens, als auch das Bundesverdienstkreuz das Jubiläum seines Würdigens von Staatsbürgern. Wenn wir nur Spötter wären, so könnten wir nun fragen: Was hatte letztlich größere faktische Bedeutung für die Integration des Gemeinwesens – die würdigen Eingriffe der Karlsruher Richter in die politische Mechanik oder der massenhafte Effekt der Würdigung mehr oder weniger verdienter (oder neben-verdienstlicher) Bundesbürger. Oder Bagehot persiflierend: The dignified parts of the constitution are the most effective ones… Aber natürlich sind wir nicht nur Spötter, sondern würdige, geradezu würdigenswerte Bürger unseres Staates.

Immerhin wird uns bei dieser Gelegenheit wieder einmal klar, dass unser Staat gut fünfzig Jahre alt ist. Ziemlich jung, wenn ich an mein eigenes Lebensalter denke: Wer kann von sich in der zivilisierten schon sagen, er sei älter als sein Staatswesen? Immer wenigere! Andererseits: So lange hat es noch keinen deutschen Nationalstaat gegeben, schon gar im – wenn schon, lange Jahre: kalten – Frieden und in Freiheit. Da verhält es sich eben wie mit der allgemeinen Relativitätstheorie: Drei Flaschen im Keller sind relativ wenig, drei Flaschen im Vorstand aber relativ viel. Doch eine davon wollen wir, effektiv und würdig, an diesem Wochenende auf unsere Bundesrepublik öffnen. Eine aus dem Keller! (Über Scharping erst wieder nächste Woche, frühestens.)

Ach, und wo wir schon bei der Wehr sind: Wir kommen auf das Thema zurück, zum fünfzigsten Jubiläum der Bundeswehr, eines höchst effektiven Teils der Innenausstattung unserer Republik – also im Jahre 2006. Wenn es dann diese Kolumne noch gibt – und/oder die Bundeswehr.

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