Die Entscheidung des Deutschen Bundestages, deutsche Soldaten nach Mazedonien zu schicken, kam für mich nicht sehr überraschend. Einen Tag später bin ich von Regensburg aus hierher versetzt worden. Mein erster Auslandseinsatz ist dies nicht: Wie so viele hier war ich auch schon im Kosovo. Als Fernmeldeoffizier bin ich dafür verantwortlich, dass jeder telefonieren kann und dass die Verbindungen stehen - die Fernmeldetruppe ist sozusagen die Post der Bundeswehr. Planbar ist fast nichts, und jeder Tag ist anders.

Am DONNERSTAG werde ich mich wohl wie immer um sieben Uhr wecken lassen. Um acht Uhr müssen wir zum Dienst antreten, vorher ist noch Zeit zum Frühstücken. Das Frühstück hier ist sehr üppig: Es gibt Croissants, verschiedene Brötchen und Brotsorten, Säfte, Kaffee, Tee, Käse, Wurst und Gebäck - Hunger brauchen wir nicht zu leiden.

Nach Dienstantritt wird festgestellt, welche Aufträge wir haben und was heute zu tun ist. Eine typische Aufgabe sieht beispielsweise so aus: Ein hoher Dienstgrad möchte zu einer Erkundung ausfahren und mobil erreichbar sein. Wir stellen ihm dann eine Satkom-Anlage zur Verfügung und einen Bediener dafür.

Meine Aufgabe ist, das zu koordinieren und zu gewährleisten, dass der Mann jederzeit über Satellit erreichbar ist und auch jemand anderen erreichen kann. Außerdem müssen für neue Verbindungen Kabel verlegt werden. Alte Kabel haben den Geist aufgegeben und werden ersetzt, Geräte repariert. Bislang sind wir noch in der Aufbauphase, und es ist entsprechend viel zu tun. Unser Lager ist am Berg Erebino, circa 20 Kilometer westlich von Skopje, in der Nähe von Tetovo.

Auch am FREITAG wird es kaum Routine geben. Die einzige Aufgabe, die wirklich täglich gemacht werden muss, ist das Überwachen der Geräte - die Führung muss immer telefonieren können. Ich habe kein Büro, bin ständig im Lager unterwegs. Schreibtische gibt es hier zwar genug, aber dass ich wirklich an einem sitze, ist selten der Fall. Wenn es ein eher ruhiger Tag wird, kann ich dann so gegen 12 Uhr Mittag essen gehen. Vielleicht gibt es Currywurst, vielleicht auch Braten, mal sehen. Und wenn es ein wirklich ruhiger Tag wird, habe ich so ab 19 Uhr auch etwas Zeit für mich, zum Lesen, Telefonieren oder zum E-Mails nach Hause zu schreiben. Es gibt hier ein Internet-Café und auch Betreuungstelefone, das sind Telefone, mit denen man verbilligt Angehörige in Deutschland anrufen kann. Ich telefoniere fast jeden Abend. Falls es aber kein ruhiger Tag werden sollte, muss ich arbeiten, bis das Problem gelöst ist. Zur Not auch bis zwei Uhr nachts.

Am SAMSTAGabend wird sicherlich nicht gefeiert. Jedenfalls hatten wir bislang keine Zeit dazu, und das wird in der nächsten Zeit wohl auch so bleiben. Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem manchmal mit den Kameraden zusammensitzt und ein bisschen ratscht, wie man in Bayern sagt - wie zu Hause auch. Man versucht ja doch, es sich so gut wie möglich hier heimisch zu machen. Meistens sind aber alle abends geschafft und froh, wenn sie ins Bett kommen. Wir schlafen in Schutzbunkern auf Feldbetten. In einem Schutzbunker können bis zu 100 Mann schlafen. In unserem ist es relativ komfortabel, da schlafen nur etwa 50.

Am SONNTAG habe ich zwar nicht richtig frei, aber meistens ein bisschen mehr Zeit für mich. Die meisten Soldaten hier schlafen länger oder gehen, wie ich auch, zur Kirche. Ansonsten versuche ich zu lesen: Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und promoviere nebenbei. Ich habe mir ein paar Fachbücher mitgebracht und muss mir die Zeit dafür einfach nehmen.