Dem Schweinskopf stecken grüne Geldscheine in den Nasenlöchern und Ohren.

Er ist lange tot und spürt nichts mehr. Trotzdem ist der Anblick für westliche Augen fast ebenso obszön wie der von geilen fetten Männern, die jungen Stripperinnen Dollarnoten in den Schlüpfer schieben. Der Schweinskopf gehört zu einem so genannten Büroaltar. Mit ihm bitten Koreaner ihre Götter um das Gelingen eines Geschäftes. Ein Beispiel von fast siebzig Altären aus aller Welt, mit denen der spektakuläre neue Museumskomplex MKP - museum kunst palast - in Düsseldorf eröffnet wird.

Oswald M. Ungers hat am historischen Ehrenhof, einer Ausstellungsarchitektur vom Anfang des vorigen Jahrhunderts, ein Gebäude neu errichtet. Außen die restaurierte Klinkerfassade aus den zwanziger Jahren, innen ein typischer Ungers: scharfkantig und streng geometrisch um ein Zentrum aufgebaut. Türen, Treppen, Durchgänge sind hoch und weit und unerbittlich weiß, von einer klösterlichen Strenge, die merkwürdig zu den Altären passt: als ginge es zugleich um die Initiation des Hauses und eines Unternehmens ganz anderer Art.

Denn Düsseldorf hat die Restaurierung des maroden Kunstpalastes unter anderem durch einen Pakt mit der e.on AG, früher Veba, finanziert. Das Unternehmen konnte von der Stadt ein Grundstück direkt neben dem Ehrenhof für den Konzernsitz kaufen - ebenfalls von Ungers gebaut und mit einem eleganten, fast höfisch gestalteten Übergang zum Kunstpalast. Dafür stieg e.on in eine Kunststiftung zum Wohl des museum kunst palastes ein und verpflichtete sich, in den nächsten zehn Jahren 23 Millionen Mark zu zahlen. Weitere Stifter haben für Geld den Ritterschlag als Kunstmäzene erhalten. Die Metro AG wird einmalig eine Million und fünf Jahre lang je 250 000 Mark, die Degussa AG eine Million Mark verteilt auf drei Jahre beisteuern.

Public-Private-Partnership nennt man das.

Das Ziel ist edel gemeint und schlau berechnet. Das Zauberwort für die Wirtschaft heißt Synergie, und die Altäre sind in diesem Zusammenhang ein Exempel, das sich der neue Generaldirektor Jean-Hubert Martin nicht glänzender hätte ausdenken können. In ihren Glaubensgemeinschaften sind die Andachtsstätten heilige Orte. Im museum kunst palast transformieren sie sich in Kunst. In den Marketingabteilungen der Public-Private-Partner verwandeln sie sich noch einmal und werden zu Bausteinen der Public Relation und Corporate Identity, die den Unternehmen die Gunst der Kunden verschaffen sollen.

Die Idee zu der Ausstellung entstand vor über zwölf Jahren, als Jean-Hubert Martin für das Centre Georges Pompidou die berühmte Ausstellung Magiciens de la terre organisierte. Damals war er Direktor im Beaubourg, später leitete er das Museum für die Kunst Afrikas und Ozeaniens in Paris. Er ist also ein Spezialist für spirituelle Energieströme, auch für Synergien, die er heute allerdings eher in der Leitung der beiden im Ehrenhof beheimateten Häuser findet: des Kunstpalastes und des Kunstmuseums.