Am kommenden Mittwoch wird er eröffnet, der Wissenschaftssommer in Berlin. Der Kanzler kommt in das DaimlerChrysler Atrium am Potsdamer Platz, die Bundesforschungsministerin hat den Termin noch kurzfristig freimachen können, die Präsidenten der großen Wissenschaftsorganisationen sind ohnehin da. Show steht auf dem Programm, Preisverleihung, Talk - moderiert von Frank Elstner.

Wetten, dass er hier nicht stattfinden wird, der viel beschworene Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit? "Die Gentechnik interessiert uns - brennend", kommentiert ein linkes Forum im Internet den fernsehgerechten Festakt, ruft zu Störungen und Gegendemonstrationen auf und hat so die Staatsschutzabteilung der Berliner Polizei geweckt. Man nehme, verlautet es aus den Gesprächen zwischen Veranstaltern und Staatsschützern, die Gewaltbereitschaft der Gentechnikgegner "sehr ernst".

Die lassen ihrer Wut schon einmal verbal freien Lauf, kritisieren die "pompöse und völlig unkritische Propagandaveranstaltung", die "Imagepflege der Genlobby", den "Monolog der Wissenschaft". Bei Elstner und Company, damit haben die Gegner Recht, wird das Gespräch höchstens auf dem Podium stattfinden. Schnell feiern statt lange zuhören, der Weg, den die Berliner Organisatoren mit ihrem telegenen Auftakt beschreiten, kann leicht in die Irre führen. Groß ist die Gefahr, dass sich die Forschung in ihrer Festlaune selbst überhöht und mitleidig herabblickt auf jene, die nicht verstehen wollen.

Doch der Wissenschaftssommer ist nicht nur ein Medienevent. 6 Tage, 140 Seiten Programm, ebenso viele beteiligte Institutionen. Dort, an den Straßenecken, auf den Gängen der Universitäten und Ausstellungshallen, könnte er stattfinden, der Dialog.

Hier aber setzen die Gegner die Grenzen. Dabei waren sie es, die den Elfenbeinturm entrümpeln, die Frankensteins aus ihren Laboren, die Genkapitalisten aus ihren Lofts zerren wollten. Sie wollten den Pranger. Doch nun, da die Wissenschaft auf der Straße steht, macht sie ihnen Angst. Denn plötzlich bekommt die Forschung Gesichter. Es sind nur selten die von Lobbyisten. Die Frankensteins sucht man in Berlin vergeblich. Meist wird man einfach auf Menschen treffen. Menschen, die forschen, Menschen, die zweifeln.

Das könnte die große Chance sein für den Dialog unter Gleichen, von Mensch zu Mensch. Doch die Kritiker wollen offensichtlich die Propaganda, nicht das Gespräch. Sonst hätten sie offene Ohren und nicht geballte Fäuste.