Im Anfang war es ein fürstliches Heiratsgeschäft wie jedes andere, Teil des internationalen dynastischen Schachspiels, das Europas Schicksal jahrhundertelang beherrschte. Katharina, die Braut aus dem mächtigen Spanien, war gerade drei, Arthur, der Bräutigam aus dem aufstrebenden England gerade zwei Jahre alt, als ihre Väter, Ferdinand von Aragon und Heinrich VII. aus dem Hause Tudor, 1489 die Verhandlungen um den Ehevertrag begannen. Eine Verbindung zum gegenseitigen Vorteil ihrer Familien, ihrer Länder, das versteht sich. Am Ende allerdings sollte der Handel ganz unerwartete und wahrlich historische Folgen zeitigen.

Schon zuvor hatte Ferdinand seine älteren Kinder Juana und Juan an Sohn und Tochter Maximilians von Habsburg vermittelt. Die Heirat Katharinas mit dem englischen Thronfolger nun sollte seinen Plan vollenden

denn so ließe sich das bedrohlich erstarkende Frankreich in einen festen Ring liebender Verwandter einschließen.

Heinrich Tudor dagegen kam die spanische Heirat aus anderen Gründen sehr gelegen. Sie brachte ihm die Anerkennung der wackligen Tudor-Herrschaft in England durch eine der mächtigsten Dynastien Europas (zuvor hatten sich die Häuser York und Lancaster in den Rosenkriegen gegenseitig fast ausgerottet).

Dennoch feilschten Ferdinand und Heinrich sieben lange Jahre. Erst 1496 war der Ehevertrag perfekt.

Ende August 1501, Arthur ist jetzt 14 und damit heiratsfähig, wird Katharina von Aragon vertragsgemäß samt Hofstaat, persönlichem Heiratsgut und 100 000 Gulden, der ersten Rate ihrer Mitgift, in La Coruña verfrachtet. Weil die kleine Flotte in schwere See gerät, wartet man in Southampton länger als einen Monat auf ihre Ankunft. Endlich, am 2. Oktober, landen die Schiffe mit zerfetzten Segeln im Hafen von Plymouth. Als die blasse Braut auf wackligen Beinen an Land klettert, jubeln die Leute, "als wäre der Erlöser der Welt gekommen" - so berichtet es einer ihrer Granden.

Am 14. November werden die Königskinder in der alten St.-Pauls-Kirche getraut, aber nur fünf Monate später stirbt Arthur