Berlin

Einigen in Berlin ist die Diskrepanz schon unangenehm aufgefallen: wie das Spitzentrio der SPD, Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Peter Struck, schonungsvoll mit Rudolf Scharping umging, während die "Abweichler" in der Fraktion auf eine Weise geschurigelt werden, wie man es schon lange nicht mehr zu hören bekam. Knapp an einer Blamage vorbeigerutscht! Darf sich nicht wiederholen!

Dabei stand Scharping zeitweise knapp vor dem Sturz, als die Frage auftauchte, was mit seinen Flügen nach Frankfurt sei. Letztlich hat ihn vermutlich die Angst vor dem Domino-Effekt gerettet, der nach einem Rücktritt, dem achten, eintreten und dann auch Schröder tangieren könnte.

Beim Gespräch mit den "großen drei" war er bereits aus dem Schneider, fürs Erste jedenfalls.

Hingegen spitzte Müntefering in einem Interview mit der Sonntags-FAZ die Kritik an den Abweichlern bis zur kaum verhüllten Drohung zu, den Delegierten, die über die Listenaufstellung für die Bundestagswahl entscheiden, sei "natürlich das Verhalten der einzelnen Abgeordneten präsent". Jeder, der sich um ein Mandat bemühe, müsse sich darüber klar werden, in welche Situation er kommen kann. "Es ist die SPD, weswegen er gewählt wird."

Ein "Basta!" in Vertretung, so klang das. Man hörte Schröder heraus.

Zweierlei Maß, echote es hingegen bei Abgeordneten. Denn immerhin ist in der SPD-Spitze eine Kandidatur von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller für den nächsten Bundestag im Gespräch. Gesucht wird für ihn ein SPD-Listenplatz in Nordrhein-Westfalen. Ein Parteibeitritt sei dafür keine Bedingung. Prompt gibt es Rückfragen aus der Fraktion, wieso der Minister, der sich an keine Regeln und Verbindlichkeiten halte, derart hofiert werde.