Sein Fall war tief, umso triumphaler ist sein Wiederaufstieg. Im Februar 1999 wurde der Oberbayer Bernd Pischetsrieder als BMW-Chef überraschend gefeuert. Der Aufsichtsrat machte ihn für die gescheiterte Sanierung der britischen Tochter Rover verantwortlich. Jetzt kann der 53-Jährige - freudig begrüßt von Betriebsräten und Großaktionär Niedersachsen - den Karriereknick ausbügeln. Er wird Ferdinand Piëch beerben und im Frühjahr Chef des VW-Konzerns.

Die Aufgabe wird schwer. Piëch hatte Anfang 1993 einen angeschlagenen Konzern übernommen und es geschafft, VW wieder in die Spitzengruppe der Automobilhersteller zu führen. Zum Abschluss seiner Ära wird der "Gastarbeiter aus Österreich" (Piëch über sich) mit seinen acht Marken von Audi bis Skoda Rekordzahlen präsentieren. VW hat die alten Rivalen Ford und Opel abgehängt

Audi ist zum ebenbürtigen Konkurrenten von Mercedes und BMW im so genannten Premiumsegment geworden, das deutlich höhere Renditen bringt als das klassische Massenauto.

Doch Piëch übergibt womöglich allzu ehrgeizige Projekte. Demnächst rollen aus der gläsernen Fabrik in Dresden der Oberklasse-VW D1 und in der Folge fünf weitere Modelle, mit denen die Marke VW auf ein Niveau mit Audi, BMW und Mercedes gehievt werden soll. Und damit nicht genug: Mit drei zugekauften Imageträgern - Bentley, Lamborghini und Bugatti - strebt der Konzern den Spitzenplatz bei Luxuslimousinen und Supersportwagen in der Preiskategorie über 500 000 Mark an. Auch hier trifft VW auf die einheimischen Wettbewerber DaimlerChrysler (Maybach) und BMW (Rolls-Royce), die ebenfalls auf Expansion setzen.

Angesichts der Projektflut wird den Betriebsräten in Wolfsburg langsam mulmig. Unabhängige Experten sagen schon heute sowohl für das klassische Premiumsegment als auch für die Super-Luxus-Autos ein dramatisches Überangebot in den kommenden Jahren voraus. Am Ende könnten sich die teuren Manufakturen für die Bentleys und Bugattis als regelrechte Geldvernichtungsmaschinen erweisen. Das gilt auch für die Konkurrenten. Das Geld könnte dann im Alltagsgeschäft fehlen. Vor allem wenn die Exportgewinne, insbesondere aus Nordamerika, nicht mehr so üppig sprudeln werden. Schon ist die einkalkulierte Kundschaft der Millionäre aus der New Economy abhanden gekommen.

Als neuer Chef in Wolfsburg wird Bernd Pischetsrieder bald Prioritäten setzen müssen - und sich von dem einen oder anderen Traum(-wagen) verabschieden. Er muss dann die Härte zeigen, die er im Falle Rover vermissen ließ. Ferdinand Piëch hat ihn nicht nur auf den Schild gehoben, sondern will als Aufsichtsratschef weiter mitmischen. Und Piëch gibt die Macht nicht gern aus der Hand. Da wird der Neue ganz dringend die Unterstützung all jener brauchen, die seine Nominierung jetzt so freudig begrüßen.