Wenn die Grünen es mit ihrem "Zukunftsenergieprogramm" wirklich ernst meinen, das sie in Kürze vorstellen wollen, werden sie noch viel Spaß mit Wirtschaftsminister Werner Müller bekommen. In dessen vom Kanzleramt zunächst gestopptem Energiebericht (ZEIT Nr. 36 vom 30. 8.) ist nämlich viel von den Versorgungsrisiken die Rede, die ein forcierter Klimaschutz mit sich brächte

Müller verhehlt deshalb nicht seine Skepsis gegenüber einer verschärften Klimaschutzpolitik. Ganz anders die Grünen. Sie wollen sich genau dafür stark machen, was Müller ablehnt: die Treibhausgasemissionen im ersten Viertel dieses Jahrhunderts "um bis zu 40 Prozent" zurückzuführen. In einer globalen Weltwirtschaft sei eine wachsende Abhängigkeit von Energieimporten "kein Problem", meinen der Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch und die Energieexpertin Michaele Hustedt nun. Der Begriff der Versorgungssicherheit sei deshalb sogar regelrecht "hinfällig".

Auch von den von Müller befürchteten Verwerfungen "quer durch Wirtschaft und Gesellschaft" wollen die Grünen nichts wissen. Im Gegenteil: Vorreiter beim Klimaschutz zu sein bringe sogar "einen gewichtigen wirtschaftlichen Vorteil".

Müllers Vorstellungen mit denen der Grünen unter einen Hut zu bringen wird einige Akrobatik erfordern. Falls der parteilose Wirtschaftsminister an einer zweiten Amtsperiode interessiert ist, darf er die Grünen allerdings nicht zu sehr düpieren. Versagt nämlich die grüne Klientel ihrer Partei bei der Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres wegen offenkundiger Folgenlosigkeit des Wirkens von Schlauch & Co. die Gefolgschaft und käme es deswegen nicht zu einer Neuauflage der rot-grünen Koalition, dürften auch Müllers Tage als Minister gezählt sein.