Mehr als drei Jahre lang ging die Sache gut. Im Januar 1998 veröffentlichte Ulrike Bergmann ihr Buch Erfolgsteams, und seitdem vermarktete sie sich geschickt als Trainerin und Beraterin für sogenannte Erfolgsteams. Das Konzept, bei dem sich mehrere Menschen gegenseitig beim Erreichen ihrer beruflichen und persönlichen Ziele unterstützen, habe sie in den USA kennen gelernt und es nach Deutschland importiert, sagt die ehemalige Vorstandsassistentin bei der Münchener Rück Versicherung.

Doch Ulrike Bergmann schmückt sich mit fremden Federn. Denn in ihrem Buch hat sie zum großen Teil von Barbara Sher, der Erfinderin der so genannten Success-Teams, abgeschrieben. Bereits 1976 startete die amerikanische Karriereberaterin ihre ersten Success-Teams, 1979 erschien ihr Buch Wishcraft und wurde in den USA ein Millionenbestseller. 1989 veröffentlichte sie das inzwischen vergriffene Buch Teamworks. Aus beiden Büchern hat sich Ulrike Bergmann ausgiebig und zum Teil wörtlich bedient. Ihr Pech: Im Dezember 2000 erschien das Buch Wishcraft erstmals auch auf Deutsch, beim kleinen Universitas Verlag in Tübingen. "Wer Wishcraft liest, erkennt sofort, wie viel Bergmann davon übernommen hat", sagt Bernhard Lück, Inhaber des Universitas Verlags.

Vor einigen Wochen hat der Universitas Verlag daher ein Gutachten mit den problematischen Passagen erstellt und dieses dem mvg Verlag geschickt, in dem Ulrike Bergmanns Buch erschienen ist. Der mvg Verlag reagierte sofort und nahm das Buch vom Markt. Sogar die bereits an die Buchhandlungen ausgelieferten Exemplare wurden umgehend zurückgenommen. "Rechtlich waren wir dazu nicht verpflichtet", erklärt Evelyn Boos, Cheflektorin des mvg Verlages.

"Aber unsere Anwälte haben uns dringend dazu geraten, um einer Urheberrechtsklage zuvorzukommen." Auch Schadenersatzforderungen des Universitas Verlages halte sie durchaus für verständlich. Allerdings werde der mvg Verlag diese an die Autorin weitergeben. Denn schließlich habe sie in ihrem Autorenvertrag bestätigt, dass sie alle Rechte an dem Buchinhalt besitze.

Ulrike Bergmann sieht das alles ganz anders. Sie bestreitet, dass sie das Konzept der Erfolgsteams von Sher abgekupfert hat. "Ich habe es lediglich weiterentwickelt", erklärt die studierte Juristin. Dass das Buch vom Markt genommen wurde, sei allein Sache des Verlages gewesen. Probleme habe es lediglich an drei Stellen gegeben. Das Buch soll daher im Herbst neu erscheinen. Mvg-Cheflektorin Boos ist über derartige Aussagen verwundert: "Sie können davon ausgehen, dass ein Verlag ein Buch nicht wegen jeder kleinen Angelegenheit aus dem Markt nimmt." Bei mvg werde das Buch auf keinen Fall mehr aufgelegt. "Wir wollen keine umstrittenen Bücher herausgeben." Auch Universitas-Chef Bernhard Lück schüttelt ob so viel Dreistigkeit den Kopf.

"Wenn Frau Bergmann das Buch noch einmal herausbringen will, braucht sie die Genehmigung von Barbara Sher." Schließlich gehe es nicht darum, ein paar Passagen wegzulassen, sondern um den Ideenklau. Doch auch die Amerikanerin ist inzwischen verärgert. "Ich finde das schon sehr dreist", sagt Barbara Sher. "Sie hat mich nie gefragt und war auch nie in einem meiner Workshops."

Wie Ulrike Bergmann könnte es demnächst auch Jürgen Hesse und Christian Schrader gehen. Rund 80 Bücher mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen haben die beiden Vielschreiber in Sachen Bewerbung inzwischen beim Eichborn Verlag herausgebracht. Allein in diesem Jahr erscheinen 13 neue Titel. Mit dem Urheberrecht nehmen die beiden Autoren es dabei allerdings nicht so genau. So haben sie sich in ihrem 2000 erschienenen Handbuch Initiativbewerbung ausgiebig beim Bestseller What Color is your Parachute und dem dazugehörenden Workbook von Richard Nelson Bolles bedient. Der Autor wird lediglich einmal als "amerikanischer Arbeitswissenschaftler" erwähnt. Ein Hinweis auf das Bolles-Buch fehlt, obwohl es den über sechs Millionen Mal verkauften Weltbestseller in Sachen Bewerbung seit 1999 unter dem Titel Durchstarten zum Traumjob auch auf Deutsch gibt. Im Fast Reader Selbstmarketing von 2001 wurde dann erneut aus dem Workbook abgeschrieben.