Konjunkturflaute, Einbruch der Börsenkurse, Stimmungstief der Wirtschaft, hohe Arbeitslosigkeit, Inflation - bei der Lektüre ihrer Tageszeitung könnte den Bundesbürgern die gute Laune vergehen. Doch Geld geben sie trotzdem aus.

Im ersten Halbjahr trug der private Verbrauch der Deutschen die Hälfte zum geringen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei - und war damit weit stärker als von Experten angenommen. Gerade hat das Statistische Bundesamt den privaten Konsum deshalb sogar zur Stütze der schwachen Konjunktur ernannt.

"Der Verbraucher", sagt Wolfgang Nierhaus, Konsumspezialist beim Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, "ist robuster als befürchtet."

Tatsächlich reagieren die Bundesbürger, zumindest die Westdeutschen, anders auf den Abschwung als früher - ihr Wohlstand macht es möglich. Erstens haben sie kontinuierlich ihre eisernen Reserven aufgefüllt - im Schnitt verfügt jeder Haushalt über ein Geldvermögen von knapp 7000 Mark. Zweitens sind die allermeisten Haushalte bestens ausgestattet mit Autos, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgerät aller Art und gefüllten Kleiderschränken. Unbeirrt verfolgen sie ihr Ziel, diesen Lebensstandard aufrechtzuerhalten - und dafür wird im verfügbaren Einkommen kräftig umgeschichtet. Das heißt: Die Verbraucher sind unberechenbar geworden.

Die Konjunktur- und Konsumexperten wurden überrascht. Sie hatten für dieses Jahr einen Einbruch im Privatverbrauch erwartet. Zwar hatte die Steuerreform der Bundesregierung den privaten Haushalten zu Beginn des Jahres 25 Milliarden Mark zusätzlich zukommen lassen. Aber drastische Preisschübe bei Mineralöl und Energie, bei Fleischwaren und deren Ersatzprodukten wie Fisch oder Käse als Folge der Tierseuchen BSE und MKS würden die Steuergeschenke gleich wieder kassieren. Das war zumindest die Erwartung.

Doch die Verbraucher wussten sich zu helfen. So machte ifo-Mann Nierhaus zwar "Einschränkungen für Energie und Nahrungsmittel" aus. Der Sportartikelhandel aber meldete nach Umsatzrekorden im vergangenen Jahr auch für das erste Halbjahr 2001 ungebrochene Absatzsteigerungen bei Fahrrädern, Sport- und Campingartikeln.

Freizeit und Urlaub stehen in der Gunst der Deutschen ganz weit oben. Das Motto sei "Konsum muss Spaß machen", stellte schon Ende der neunziger Jahre das Nürnberger Konsumforschungsinstitut GfK fest. Die Kunden sind wählerischer und spontaner geworden. Und für technische Neuheiten wie DVD-Player oder Autoelektronik greifen sie aufs Ersparte zurück. So bejubelten auf der Berliner Funk- und Fernsehausstellung ifa die Aussteller gar Auftragszuwächse von bis zu 20 Prozent durch den Handel. Die Ausgaben für Urlaub und Freizeit sind längst der Motor für die private Nachfrage, stellte das Münchner Institut für Freizeitwirtschaft fest.