An den Ufern des trägen Black Warrior River in Alabama findet sich alles, was ein leicht unbehagliches Südstaatenidyll braucht: die von der unbezähmbaren japanischen Kletterpflanze Kudzu überwucherten Bäume, das spanische Moos, das von den Ästen wie mattes Lametta hängt und von einer durch keinerlei Industrie verunreinigten Luft kündet, die Grillen und Zikaden, die an die akustische Kulisse von Hollywoodromanzen erinnern, und eine archaische Armut, die unweigerlich Bilder der Sklaverei heraufbes chwört.

Shepherd Bryant, ein stoisch blickender Mann Mitte 70, ist in der Nähe des Flusses aufgewachsen. Seit Generationen lebt seine Familie in der Siedlung von Masons Bent mit ihren heute 150 Einwohnern. Kein Schild benennt die versprengten Häuser fernab der asphaltierten Straße zum nächsten, zehn Meilen entfernten Ort. Weder ein Laden noch ein Postamt verweisen auf die kleine Gemeinde.

Das von Pinien und Hornsträuchern umgebene Haus, in dem Shepherd und seine Frau Alberta fünf Kinder und drei Enkel großzogen, hatte keinen elektrischen Strom und kein fließendes Wasser, dafür einen Lehmfußboden und so viele Löcher und Risse im Dach, dass sich das fromme Paar bei ungewissem Wetter aus Furcht vor einer Überschwemmung nicht zur Sonntagsmesse traute. Es blieb zu Hause und wartete auf den Wolkenbruch, mit Töpfen und Eimern gerüstet.

Shepherd Bryant ernährt seine Familie mit den Erträgen seines Gartens, mit selbst gefangenem Fisch und Wild und mit einem Wohlfahrtsscheck über einen winzigen Betrag. Einmal versuchte er, eine neue Unterkunft zu bauen, doch die Konstruktion brach zusammen, ehe er das Dach decken konnte.

Die Studenten schaufeln und planieren fürs Diplom

Als seine Frau Alberta vor acht Jahren einen großen bärtigen Mann in mittleren Jahren in Begleitung einiger jüngerer Leute den staubigen Pfad auf ihr Haus zukommen sah, war sie überzeugt, die Gruppe hätte sich verirrt und wollte nur nach dem Weg fragen. Doch die Fremden kamen mit einem ganz anderen Anliegen: Sie boten dem gebrechlichen Ehepaar an, ein Haus zu bauen, mit Wasser und Licht, Küche und Bad - und alles umsonst. In neun Monaten wäre es fertig.

Ein unwiderstehliches Angebot. Allerdings fand Alberta es verwunderlich, dass ihr Haus zum größten Teil aus Heu bestehen sollte - sie dachte an die hungrigen Kühe, die Funken vom Ofen, an glimmende Zigaretten. Aber sie wollte nicht unhöflich sein zu dem Herrn mittleren Alters, der sich als Architekturprofessor Samuel Mockbee von der Auburn University vorstellte, und zu den netten jungen Herren, die seine Studenten waren. So entstand Hay Bale House, das Heuballenhaus.