Ausgerechnet Nauru! Ausgerechnet das 6000 Kilometer entfernte, wirtschaftlich bankrotte, ökologisch verwüstete Eiland soll die meisten jener Schiffbrüchigen aufnehmen, die der norwegische Containerfrachter Tampa von einer sinkenden indonesischen Fähre gerettet hat. Australien will zwei Drittel der 433 Flüchtlinge aus seinen Hoheitsgewässern auf diese kleinste aller Inselrepubliken im Südpazifik, das restliche Drittel nach Neuseeland verfrachten.

Ein schändliches Schauspiel! Der australische Premier John Howard, der diese "pazifische Lösung" ersonnen hat, ließ seine Emissäre zuvor sogar im kriegszerstörten Osttimor anfragen. Nur fort mit den Gestrandeten! Für ein paar Dollar Wirtschaftshilfe steckt nun das bettelarme Nauru die Flüchtlinge in ein Zeltlager, bis australische Gerichte entschieden haben, ob ein paar der Elenden nicht doch Anspruch auf Asyl glaubhaft machen können.

Der Kontinent, der eben noch souveräner Gastgeber heiterer Olympischer Spiele war, zeigt der Welt nun sein anderes, sein hässliches Gesicht. Weiß soll der Kontinent bleiben, sich bloß nicht asiatisch einfärben. So will es die Mehrheit, und John Howard ist ihr Mann. Noch mehr Patrouillenboote und Flugzeuge sollen künftig die Küsten bewachen. Nur: Zur uneinnehmbaren Festung lässt sich Australien so wenig hochrüsten wie Europa oder die Vereinigten Staaten.

Umweltflüchtlinge könnten das Heer der Armutsflüchtlinge anschwellen lassen.

Gerade im Südpazifik wächst die Angst vor der Klimakatastrophe. Um Millimeter nur steigt der Meeresspiegel, aber die ersten Atolle beginnen zu versinken.

Das kleine Tuvalu etwa könnte es schon in fünfzig Jahren nicht mehr geben.

Die Regierung hat sich mit einem Hilferuf an Neuseeland und an Australien gewandt: Nehmt, wenn die Zeit gekommen ist, unsere Menschen auf! Tuvalu hat nur zehntausend Einwohner. Aber diese zehntausend hat Australien in diesen Tagen das Fürchten gelehrt. Matthias Naß