Finanzgeschichten funktionieren heute nach einem einfachen Rezept: Je unglaublicher der Inhalt, desto größer die Resonanz - und wird die Story dann noch am Wochenende veröffentlicht, beherrscht sie mit Sicherheit am Montag die Meldungsspalten der Tageszeitungen. Unglaubliche Geschichten werden immer wieder gern über die Commerzbank geschrieben, die kleinste der deutschen Großbanken. Jüngstes Beispiel: Die angebliche Fusion unter Gleichen des an der Börse 15 Milliarden Euro schweren Instituts mit dem italienischen Geldhaus Unicredito - Börsenwert: knapp 25 Milliarden Euro - zu einer Bank mit Sitz in Brüssel. So kann es gehen, wenn man, wie Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, einmal zugegeben hat, langfristig nach Partnern für eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit zu suchen. Kurzfristig aber käme jede Fusion für die Bank zu früh: Erst einmal muss Müller die Kosten bändigen.

Solange die Eigenkapitalrendite unter fünf Prozent liegt, schwächelt der Aktienkurs weiter. Damit wäre die Commerzbank in jeder Fusion nur Juniorpartner - und müsste dann fürchten, zerschlagen zu werden.

Nur die Gerüchte über Fusionen - mal mit der Deutschen Bank, dann mit dem italienischen Versicherer Generali - lassen den Aktienkurs der Bank wenigstens ab und an nach oben schnellen. Insofern profitiert auch Commerzbank-Chef Müller von den Spekulationen der Medien. Und er kann sicher sein: das nächste Wochenende kommt bestimmt ...