Leider nein. Aber es wäre zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit wünschenswert, wenn der flächendeckende Lohntarif an sein Ende gebracht würde.

Was eine Geschäftsleitung und ein geheim gewählter Betriebsrat miteinander verabreden können und wollen, das nützt beiden gleichermaßen. Doch das geltende Gesetz verbietet ihnen in weitgehendem Maße betriebliche Vereinbarungen und zwingt sie stattdessen unter die gemeinsame Fuchtel der Funktionäre des Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaft. Beide sind vom einzelnen Betrieb weit entfernt. Beide kämpfen um Prestige und Macht - und um die Erhaltung ihrer umfangreichen hauptamtlichen Bürokratie. Beide haben schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die großen Volksparteien dazu gebracht, nicht etwa nur ihre Existenz gesetzlich zu verankern, sondern vielmehr auch ihr Vorrecht vor jedem Arbeitgeber und jedem Betriebsrat.

Schon in den siebziger Jahren ist der allgemein verbindliche Flächentarifvertrag zum ökonomischen Unfug geworden. So wurde er zum Beispiel pauschal für die zahlreichen Branchen des Metallbereiches zunächst im meist wohlhabenden und teuren Raum Stuttgart ausgehandelt, wo die leistungsfähigen Bosch, IBM und Daimler-Benz zu Hause waren. Anschließend wurde ein solcher Pilottarif - unter geringfügigen Änderungen - bis in alle verkehrsfernen Regionen übertragen. Deshalb konnten dort kaum leistungsfähige metallindustrielle Arbeitsplätze entstehen.

Das Gleiche galt zwei Jahrzehnte später für den törichten Versuch, nach der staatlichen Wiedervereinigung im Gebiet der ehemaligen DDR durch flächendeckende Lohntarife binnen vier Jahren die in Westdeutschland gezahlten Löhne zu erreichen. Dieser Versuch ist schon lange gescheitert, nachdem er zunächst zum Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen im Osten beigetragen hatte.

Immer noch führt auch der Flächentarif dazu, dass deutsche Unternehmen einfachere Metallverarbeitungen ins benachbarte Ausland verlagern, wo die Lohnkosten deutlich niedriger sind - wobei dieses grenzüberschreitende Outsourcing den unter Wettbewerbsdruck stehenden deutschen Unternehmen gewiss nicht vorzuwerfen ist. Die Erweiterung des gemeinsamen Marktes der EU durch neue Mitgliedsstaaten wird diese Tendenz noch wesentlich verstärken und verbreitern.

Die Aufrechterhaltung und erst recht die Neuschaffung deutscher Hochlohngebiete kann à la longue nur gelingen, soweit wir uns durch herausragende spezielle oder neue Produkte und Leistungen, durch herausragende Ausrüstungen und herausragende Ausbildung im Wettbewerb behaupten können. Man muss deswegen kein Pessimist werden, im Gegenteil: Weil der heutige Wohlstand in der deutschen Wirtschaftsgesellschaft hart erarbeitet worden ist, erscheint die Hoffnung auf zukünftige Leistungen durchaus begründet.

Wer jedoch meint, möglichst hohe und damit teure, zugleich aber flächendeckende Lohntarife seien ein Garant für die Erhaltung unseres im internationalen Vergleich sehr hohen Lohn- und Gehaltsniveaus, der hat die zwangsläufigen Konsequenzen des internationalen Wettbewerbs bei offenen Grenzen nicht verstanden. Der flächendeckende Lohntarif kann zur Ursache weiterer Arbeitslosigkeit werden. Dagegen hilft dann auch das Bündnis für Arbeit nicht viel - es sei denn, dass seine Verhandlungen auf allen beteiligten Seiten zur Erkenntnis der deutschen Überregulierung und zu deren effektivem Abbau führen.